Unser Verhaltenskodex für Zwischenfallanalysen

  1. Die Analysen der Stiftung Patientensicherheit Schweiz identifizieren die Umstände, die zu einem vermeidbaren unerwünschten Ereignis geführt haben oder beinahe geführt hätten («near miss»). Auch der Umgang mit einem solchen Ereignis kann Gegenstand einer Analyse sein.
  2. Patientensicherheit Schweiz analysiert Ereignisse und formuliert Feststellungen und Empfehlungen mit dem Ziel, die Risiken für Patientinnen und Patienten zu reduzieren und die Gesundheitsversorgung durch Veränderungen auf Organisations- und Prozessebene sicherer zu machen.
  3. Auch wenn Mitarbeitende von Patientensicherheit Schweiz im Rahmen einer Analyse Fehlhandlungen oder -entscheidungen einzelner Personen erkennen, schreiben sie den Individuen keine Schuld zu, sondern ergründen die Ursachen.
  4. Die Voraussetzung für jede Fallanalyse ist ein schriftliches, von befugten Leitungspersonen unterzeichnetes Mandat.
  5. Patientensicherheit Schweiz setzt voraus, dass die beauftragende Organisation ehrlich an einem Erkenntnisgewinn interessiert ist. Sollten sich daran Zweifel ergeben, müssen diese ausgeräumt werden, bevor eine Analyse beginnen oder fortgesetzt werden kann.
  6. Sollte Mitarbeitenden von Patientensicherheit Schweiz vor oder während einer Analyse der Zugang zu wesentlichen Informationen erschwert, vorenthalten oder verwehrt werden, behält sich die Stiftung vor, eine Analyse abzubrechen.
  7. Um die für die Analyse notwendigen Informationen zu gewinnen, werden Gespräche mit Mitarbeitenden und Beteiligten geführt und Dokumente der Organisation analysiert. Patientensicherheit Schweiz hält die bestehenden Vorgaben des Datenschutzes sowie der Amts- und Berufsgeheimnispflichten ein.
  8. Patientensicherheit Schweiz strebt ein möglichst hohes Mass an Transparenz, Objektivität, Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit an.
  9. Das Ziel der Transparenz kann mit der notwendigen Voraussetzung der Vertraulichkeit konkurrieren. Entscheidungen, die diese Güterabwägung berühren, orientieren sich daran, mittel- und langfristig eine Lernkultur im Gesundheitswesen zu etablieren und zu erhalten.
  10. Die Stiftung erteilt gegenüber Dritten keine Auskünfte über (Nicht-)Durchführung, Inhalte oder Ergebnisse einer Analyse. Sie behält sich jedoch bei konkretem Anlass vor, unzutreffenden Darstellungen entgegenzutreten, sofern das Gesamtinteresse an Transparenz und Glaubwürdigkeit überwiegt.
  11. Die Berichte sind anonymisiert verfasst und enthalten keine Namen oder identifizierenden Merkmale von Organisationen oder Personen.
  12. Nach Analysen können von Patientensicherheit Schweiz anonymisierte Kurzberichte veröffentlicht werden, die Erkenntnisse und Empfehlungen zusammenfassen. Die Erkenntnisse können von der Stiftung in anonymisierter Form zu Lern- und Schulungszwecken genutzt werden.
  13. Aufzeichnungen, Berichte und erlangte Informationen unterliegen keinem juristischen Schutz und können von Ermittlungsbehörden und Gerichten als Beweismittel eingefordert werden. Die involvierten Mitarbeitenden der Stiftung haben gegenüber den genannten Organen kein Auskunftsverweigerungsrecht.

Die weiblichen und männlichen Formulierungen betreffen Menschen aller Geschlechter und Gender.