Interaktives Lernen im Room of Horrors

Das Situationsbewusstsein für Patientengefährdungen lässt sich spielerisch trainieren: in einem Room of Horrors. In diesem Trainingsraum sind  Fehler und Risiken versteckt, die die sichere Patientenversorgung gefährden. Fachpersonen versuchen einzeln oder im Team, innerhalb eines bestimmten Zeitraums alle eingebauten Fehler und Risiken aufzudecken und zu dokumentieren.

In angelsächsischen Ländern ist der «Raum des Schreckens» verbreitet. Spitäler in Grossbritannien, Kanada und in den USA trainieren in ihm Pflege- und Medizinstudierende oder Assistenzärztinnen und -ärzte beim Stellenantritt (siehe Beispiel). Positive Erfahrungen mit diesem Konzept wurden auch in der Schweiz gesammelt. Ein Room of Horrors kann auf spielerische Art und Weise das Bewusstsein für konkrete Gefahren fördern und die Sicherheitskultur stärken. Da ein solcher Trainingsraum einfach und mit wenigen technischen Mitteln umsetzbar ist, eignet sich diese Art des interaktiven Lernens auch für kleinere Betriebe.

Room of Horrors im Spital

Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz hat im Rahmen eines Forschungsprojekts im Jahr 2019 sechs Szenarien für einen Room of Horrors im Spital sowie ein Umsetzungsmanual erarbeitet.

Pilotierung der Szenarien

Interprofessionelle Teams oder einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besuchten während der Aktionswoche Patientensicherheit 2019 den Trainingsraum und suchten während 15 bis 20 Minuten nach Fehlern und Risiken für die fiktive Patientin oder den fiktiven Patienten. Dies konnte zum Beispiel ein Nachtstuhl sein, der nicht arretiert war, oder eine nicht indizierte Bluttransfusion. Die gefundenen Gefährdungen wurden auf einem Auswertungsbogen dokumentiert. Im Anschluss wurden die versteckten Fehler und Risiken aufgelöst.

Evaluation

14 Spitäler stellten der Stiftung Patientensicherheit Schweiz Anfang Oktober 2019 die Auswertungsbögen anonymisiert zur Datenerhebung und zur Evaluation zur Verfügung. Zudem führte die Stiftung in 9 Spitälern Beobachtungen durch, um zu erfassen, wie die Interaktionen in Teams abliefen, welche die Fehler und Risiken im Room of Horrors gemeinsam suchten. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Room of Horrors eine gut akzeptierte Methode ist, um das Situationsbewusstsein der Mitarbeitenden für Gefährdungen zu schulen. Die Teilnehmenden schätzten den Room of Horrors als empfehlenswert (98%), relevant (96%) und lehrreich (95%) ein. 95% gaben an, vom Austausch in der Gruppe profitiert zu haben. Im Schnitt wurden 4.7 von den zehn installierten Fehlern gefunden. Die Ergebnisse der Studie sind im Journal of Patient Safety publiziert.

Room of Horrors im Pflegeheim und in der Arztpraxis

Mit dem Nachfolgeprojekt «Room of Horrors II» wird das Konzept für weitere Versorgungssektoren zugänglich gemacht. Es werden neue Szenarien entwickelt für Alters- und Pflegeheime sowie für Kinderarzt- und Hausarztpraxen.

Debriefing-Leitfaden

Das bestehende Manual wird zudem mit einem Leitfaden ergänzt, der im Anschluss an die Fehlersuche zu einem gemeinsamen Debriefing anleitet. Das Debriefing hat zwei Aufgaben. Es unterstützt bei der Sensibilisierung für die im Room of Horrors implementierten Fehler und strukturiert die Diskussionen über möglichen Konsequenzen für die Patientin/den Patienten oder über ähnliche Situationen, die im Berufsalltag auftreten können.

Projektablauf

Die Szenarien und der Debriefing-Leitfaden werden gemeinsam mit externen Expertinnen und Experten entwickelt und kommen in verschiedenen Pilotbetrieben zur Anwendung. Die Pilotierung findet in den Monaten Mai-Juli 2021 statt. Die neuen Szenarien und das aktualisierte Manual sind im Herbst 2021 zu erwarten.

Pilotbetriebe gesucht

Möchten Sie in Ihrem Heim oder in Ihrer Arztpraxis bzw. Ihrem Ärztenetzwerk einen Room of Horrors durchführen? Hier finden Sie die entsprechenden Informationen. Bei Interesse freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Finanzierung

Beide Projekte sind vom Bundesamt für Gesundheit BAG finanziell unterstützt.


Download Manual

Das Manual enthält Arbeitsblätter mit sechs thematischen Szenarien für die Umsetzung eines Room of Horrors im Spital: Innere Medizin, Geriatrie, Orthopädie, Herzchirurgie, Pädiatrie und Richteraum für Medikamente.

Download Postervorlage

Die Postervorlage ist als PDF downloadbar. Sie steht aber auch als JPEG sowie als Word-Vorlage zur Verfügung. Auf Anfrage kann eine individualisierbare Version bei uns bezogen werden: infonoSpam@patientensicherheit.noSpamch.

Medienberichte

  • «Schweiz Aktuell» berichtet aus der Hirslanden Klinik Beau-Site in Bern, die zu Schulungszwecken einen «Room of Horrors» eingerichtet hat. Zur Sendung vom 21.9.2020
  • Was geschieht im «Room of Horrors»? Das Gesundheitsmagazin «Puls» von Fernsehen SRF1 hat Andrea Käppeli, Pflegeexpertin am Spital Muri AG, beim interaktiven Training über die Schulter geschaut. (Sendeminute 00:50–06:56) Zur Sendung vom 2. September 2019


Andrea Niederhauser

Lic. ès lettres, MPH
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

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