Interaktives Lernen im Room of Horrors

Aufmerksamkeit für Patientensicherheitsrisiken lässt sich trainieren: in einem Room of Horrors. Im Trainingsraum werden Fehler und Risiken versteckt, die die sichere Patientenversorgung gefährden. Mitarbeitende versuchen einzeln oder im Team, diese aufzudecken.

Simulationstraining – praxisnah und konkret erlebbar

Ein «Room of Horrors» ist ein Trainingsraum für Patientensicherheit. In einem oder mehreren speziell dafür vorbereiteten Räumen (z.B. Patientenzimmer, Labor, Speisesaal) werden Fehler und Risiken versteckt. Mitarbeitende sollen diese aufdecken. Die Trainingsmethode sensibilisiert, trainiert auf spielerische Art und Weise die Aufmerksamkeit und fördert das gemeinsame Problemlösen. Im Gegensatz zu theoretischen Schulungen werden die Situationen, in denen sich Gefährdungen im klinischen Alltag manifestieren, konkret erlebbar.

Da ein solcher Trainingsraum einfach und mit wenigen technischen Mitteln umsetzbar ist, eignet sich diese Art des interaktiven Lernens für grosse und kleinere Betriebe. Das Simulationstraining kann anhand der Manuale der Stiftung in Spitälern, Haus- und Kinderarztpraxen und Alters- und Pflegeheimen eigenständig umgesetzt werden.


Room of Horrors im Spital

Im Jahr 2019 erarbeitete die Stiftung in einem Forschungsprojekt ein Umsetzungsmanual für einen Room of Horrors im Spital. Das Manual enthält sechs thematischen Szenarien: Innere Medizin, Geriatrie, Orthopädie, Herzchirurgie, Pädiatrie und Richteraum für Medikamente. Die Umsetzung wurde in 13 Spitälern evaluiert. Im Oktober 2021 wurde das Manual aktualisiert und mit einem Debriefing-Leitfaden ergänzt.

Resultate der Evaluation

13 Spitäler stellten ihre Auswertungsbögen anonymisiert zur Datenerhebung und zur Evaluation zur Verfügung. Zudem führte die Stiftung in 9 Spitälern Beobachtungen durch. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Room of Horrors eine gut akzeptierte Methode ist, um das Situationsbewusstsein der Mitarbeitenden für Gefährdungen zu schulen. Die Teilnehmenden schätzten den Room of Horrors als empfehlenswert (98%), relevant (96%) und lehrreich (95%) ein. 95% gaben an, vom Austausch in der Gruppe profitiert zu haben. Die Ergebnisse der Studie sind im Journal of Patient Safety publiziert.


Room of Horrors in Alters- und Pflegeheimen

Im Jahr 2021 wurde ein Umsetzungsmanual für einen Room of Horrors in Alters- und Pflegeheimen erarbeitet. Das Manual enthält zwei Szenarien für die Umsetzung des Simulationstrainings in einem Bewohnerzimmer und im Speisesaal.

Ergebnisse der Evaluation

Die neuen Szenarien wurden gemeinsam mit Praxisexpertinnen und -experten entwickelt und wurden in sechs Pilotbetrieben umgesetzt. In Anschluss an die Simulation fand ein moderiertes Debriefing mit Fehlerauflösung statt. Die Evaluation kam zu vergleichbaren Ergebnissen wie im Spital. Die insgesamt 332 Teilnehmenden fanden den Besuch im Room of Horrors mehrheitlich als eher bis sehr lehrreich (95%) und würden eine Teilnahme eher oder sicher weiterempfehlen (99%). Auch die Projektverantwortlichen in den sechs Pilotbetrieben bewerteten das Training positiv und empfehlenswert.

 


Room of Horrors in Haus- und Kinderarztpraxen

Das Umsetzungsmanual für einen Room of Horrors in Haus- und Kinderarztpraxen wurde im Jahr 2021 erarbeitet. Das Manual enthält insgesamt sechs Patientenfälle (drei Kinderarztfälle und drei Hausarztfälle) sowie Fehler und Risiken, die ohne Fallgeschichten installiert werden können.

Pilotierung der Szenarien und Evaluation

Die neuen Szenarien wurden gemeinsam mit Expertinnen und Experten entwickelt und im Rahmen der Pilotierung einem Praxistest unterzogen. Fünf Praxen und ein medizinisch interdisziplinäres Ausbildungszentrum nahmen an der Pilotierung teil. Die Pilotierung des Room of Horrors in Haus- und Kinderarztpraxen hat gezeigt, dass das Konzept Room of Horrors ebenso im Setting der ambulanten Praxis angewendet werden kann wie im Spitalbereich. Fachpersonen, die den Room of Horrors absolviert haben, ebenso wie die Verantwortlichen für die Durchführung bewerten das Simulationstraining im Room of Horrors als sehr positiv. Alle Teilnehmenden fanden die versteckten Fehler und Risiken relevant und würden den Raum weiterempfehlen.


«Der Room of Horrors hat unser Team neu für die Patientensicherheit sensibilisiert. Seit wir bei uns in der Praxis gemeinsam nach Fehlern und Risiken gesucht haben, steigen die CIRS-Meldungen wieder an.»
Hausarzt in einer Gruppenpraxis

Downloads Manuals


Download Postervorlage

Für die Bewerbung des Room of Horrors in Spitälern steht eine Postervorlage zur Verfügung. Die Postervorlage ist als PDF downloadbar. Sie steht aber auch als JPEG sowie als Word-Vorlage zur Verfügung. Auf Anfrage kann eine individualisierbare Version bei uns bezogen werden: infonoSpam@patientensicherheit.noSpamch


Medienberichte

  • «Schweiz Aktuell» berichtet aus der Hirslanden Klinik Beau-Site in Bern, die zu Schulungszwecken einen «Room of Horrors» eingerichtet hat. Zur Sendung vom 21.9.2020
  • Was geschieht im «Room of Horrors»? Das Gesundheitsmagazin «Puls» von Fernsehen SRF1 hat Andrea Käppeli, Pflegeexpertin am Spital Muri AG, beim interaktiven Training über die Schulter geschaut. (Sendeminute 00:50–06:56) Zur Sendung vom 2. September 2019


Finanzierung

Die Materialien wurden im Rahmen von zwei Projekten im Jahr 2019 und 2021 entwickelt und pilotiert. Beide Projekte wurden vom Bundesamt für Gesundheit BAG finanziell unterstützt.

Andrea Niederhauser

Lic. ès lettres, MPH
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

+41 43 244 14 96
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Dr. Katrin Gehring

Leiterin Arbeitsbereich ambulanter Sektor

+41 43 244 14 95
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