Sicherheitsrelevante Medikationsprozesse in Schweizer Alters- und Pflegeheimen

Die Reduktion von unerwünschten Arzneimittelereignissen bei Bewohnenden von Alters- und Pflegeheimen ist ein zentrales Anliegen der Patientensicherheit. Ziel dieser Studie war es zu ermitteln, wie häufig ausgewählte Medikationsprozesse zur Erhöhung der Medikationssicherheit in Schweizer Pflegeheimen bereits umgesetzt werden und wie sich Heime, die diese Prozesse noch nicht umsetzen, durch organisationale Merkmale charakterisieren lassen.

 

Ergebnisse
Es nahmen 420 von 1525 eingeladenen Personen an der Befragung teil (Rücklaufquote: 27.5%). Davon gaben 65.0% an, dass in ihrer Einrichtung eine regelmäßige systematische Überprüfung der Medikation vorgesehen ist. In 9.5% der Pflegeheime wird eine Liste zur Identifikation von potenziell inadäquater Medikation eingesetzt und 6.7% der Heime haben einen standardisierten Prozess, um Nebenwirkungen von Medikamenten zu überwachen. 66.0% der teilnehmenden Heime setzen mindestens einen dieser Prozesse um, 34.0% setzen keinen der drei Prozesse um. Statistisch signifikante Unterschiede in der Umsetzung der Prozesse zeigten sich nach Standort des Pflegeheims, der Art des Dokumentationssystems für die Medikation, dem Arztmodell, der Anzahl externer Ärzte/Ärztinnen sowie dem Bezugskanal der Medikamente und der gesetzlichen Verpflichtung zur Zusammenarbeit mit Apothekern/Apothekerinnen. Keine Unterschiede zeigten sich nach Heimgröße.

Schlussfolgerung
In Schweizer Alters- und Pflegeheimen sind zentrale sicherheitsrelevante Medikationsprozesse noch nicht flächendeckend umgesetzt. Besonders in Einrichtungen, in denen viele externe Belegärzte Bewohnende betreuen, ist die Umsetzung noch wenig fortgeschritten. Die organisationalen Merkmale müssen für eine erfolgreiche Implementierung von Verbesserungsmassnahmen berücksichtigt werden.

Source
Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen

Autoren
Andrea Niederhauser, Dr. Lea Brühwiler, Dr. Liat Fishmann, Prof. Dr. David Schwappach der Stiftung Patientensicherheit Schweiz.

Abstract