Patientensicherheitsgefährdungen durch die Nutzung von IT in onkologischen Ambulatorien

Das Ziel der vorliegenden Studie von Dr. Yvonne Pfeiffer, Chantal Zimmermann und Prof. Dr. David Schwappach von Patientensicherheit Schweiz war, Patientensicherheitsgefährdungen, die bei der Nutzung von HIT (Health Information Technology) entstehen, zu identifizieren.

Zum einen wurden explorativ Patientensicherheitsgefährdungen in drei onkologischen Ambulatorien erfasst und übergeordnete Themen identifiziert. Zum anderen wurde systematisch die Anzahl an Informationsquellen erfasst, die die klinisch Tätigen nutzen müssen, um sich ein Bild vom Patienten zu machen. Dafür wurden Interviews und Beobachtungen mit je einer Pflegefachperson und einem Arzt durchgeführt.

Ergebnisse
Informationsmanagement-bezogene Patientensicherheitsgefährdungen waren in der täglichen Versorgung allgegenwärtig: ausgehend von 125 erfassten Patientensicherheitsgefährdungen wurden elf Themenfelder identifiziert. Drei waren besonders relevant für die Entwicklung eines adäquaten mentalen Modells über den Patienten der klinisch Tätigen: patientenbezogene Informationen wurden nicht an einem Ort, sondern häufig fragmentiert in verschiedenen HIT-Systemen verteilt gespeichert; trotz der Einführung von HIT blieb für bestimmte Informationen die Papierdokumentation bestehen, was den Zugriff darauf erschwerte und die Anzahl an relevanten Quellen erhöhte; die mangelnde Benutzerfreundlichkeit der HIT-Systeme machte es schwierig, zeitgerecht Patienteninformation abzurufen. Klinisch Tätige mussten zwischen fünf und elf Informationsquellen nutzen, um sich ein Bild über den Patienten zu machen.

Schlussfolgerungen
Gesamthaft zeigte sich, dass die Gestaltung der HIT-Systeme nur unzureichend an die Arbeitsprozesse angepasst ist und es nicht begünstigt, sich vollständig über einen Patienten zu informieren. Die identifizierten Themenfelder zeigen auf, wo zukünftige Systemgestaltung und -verbesserung ansetzen kann. Dabei ist es von großer Bedeutung, die eigentlichen Anforderungen der Arbeitsprozesse auf die Gestaltung der HIT abzustimmen und die tatsächliche Implementierung und Nutzung von HIT eng zu begleiten.

Source: ZEFQ Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen

Autoren: Dr. Yvonne Pfeiffer, Chantal Zimmermann, Prof. Dr. David Schwappach, Stiftung Patientensicherheit Schweiz

Abstract