Surgeons operating in operation theater room

Nationales Pilotprogramm «progress!»

COM-Check – Sichere Chirurgie

Die chirurgische Checkliste ist ein wichtiges Element der Patientensicherheit bei Operationen. Sie nützt aber nur, wenn sie vom ganzen Operationsteam konsequent und korrekt angewendet wird. Spitäler und ambulant-chirurgische Kliniken können die Compliance mit der Checkliste durch Selbstevaluation und Feedback messen und gleichzeitig verbessern.


Checken ist mehr als nur Abhaken!

Im ersten nationalen Pilotprogramm «progress! Sichere Chirurgie» (2013-2015) wurde die Checkliste Sichere Chirurgie entwickelt und die Verbreitung in der Schweiz mit diversen Hilfsmitteln (Umsetzungskoffer, eLearning) unterstützt. Im Nachfolgeprogramm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» (2018-2021) wurde ein Monitoring-Konzept entwickelt, bei dem die Compliance mit der Checkliste durch Selbstevaluation gemessen und durch Beobachtung und Feedback gleichzeitig verbessert wird. COM-Check steht dabei für Compliance mit der chirurgischen Checkliste. Eine hohe Compliance bedeutet, dass die Checkliste vom ganzen Operationsteam konsequent und korrekt angewendet wird.

Der Schulungsfilm zeigt die korrekte Anwendung der chirurgischen Checkliste durch das interprofessionelle Operationsteam und erklärt das Monitoring-Konzept zur Messung und Verbesserung der Compliance mit der Checkliste.


Monitoring-Konzept

Kernstück des COM-Check-Programms ist das sogenannte Monitoring-Konzept mit Compliance-Messungen mit Live-Beobachtungen und unmittelbarem Feedback.

  • Drei Aspekte der Compliance werden beurteilt: die Häufigkeit der Checklistenanwendung, die Vollständigkeit der Itemabfrage und die Qualität der Durchführung.
  • Die Häufigkeit wird anhand der dokumentierten Checklistenanwendung erhoben, die Vollständigkeit und Qualität durch Beobachtung. Um Lernen im interprofessionellen Operationsteam zu ermöglichen, wird unmittelbar nach der Beobachtung ein kurzes Feedback nach der Drei-Schritte-Technik gegeben.
  • Für die Beobachtung wird ein internes interprofessionelles Beobachtungsteam gebildet, bestehend aus leitenden Ärztinnen und Ärzten der Chirurgie und der Anästhesie sowie Führungspersonen der OP- oder Anästhesiepflege. Diese führen Live-Beobachtungen im Operationssaal durch und geben dem beteiligten Operationsteam ein kollegiales und lernförderndes Feedback.
  • Am Ende einer Messperiode analysiert das Projektteam die Compliance-Daten und leitet bei Bedarf weitere Verbesserungsmassnahmen ein, wie zum Beispiel eine Anpassung der aktuell verwendeten Checkliste oder der dazugehörigen Richtlinien oder Schulungen für neues OP-Personal.
  • Das Monitoring-Konzept ist Teil eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses, bei dem regelmässige Verlaufsmessungen, halbjährlich oder jährlich, durchgeführt werden.

Feedback: Drei-Schritte-Technik

Die Drei-Schritte-Technik ist eine gute Methode, um kurze, kollegiale und lernförderliche Feedbacks zu geben. Zuerst wird ein konkret beobachteter Aspekt der Compliance beschrieben, dann wird die Sichtweise des Beobachters, der Beobachterin formuliert und schliesslich die Reflektion im Team durch eine offene Frage angeregt.

Im COM-Check-Programm konnte in 79% der Beobachtungen ein unmittelbares Feedback an das beteiligte Operationsteam gegeben werden. In 31% der Feedbacks wurde Verbesserungspotenzial aufgezeigt und in 18% eine Unklarheit diskutiert. Das Feedback wurde in 64% als «hauptsächlich positiv» aufgenommen. Es wurde besonders geschätzt, wenn eine Unklarheit diskutiert wurde (80% positiv), wie z.B. Zuständigkeiten, die Art der Kontrolle oder der richtige Zeitpunkt. Als Hilfestellung für die Durchführung der Beobachtung mit anschliessendem Feedback hat Patientensicherheit Schweiz eine Pocketcard entwickelt


Chirurgische Checkliste

Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2009 publizierte Surgical Safety Checklist wurde von der Stiftung Patientensicherheit Schweiz für die Schweiz adaptiert (2012) und im Rahmen des Programmes «progress! Sichere Chirurgie» (2013 – 2015) in der Schweiz verbreitet. Mit der Charta Sichere Chirurgie wurde sie zum Branchenstandard erklärt.

Die chirurgische Checkliste besteht aus drei Teilen, die zu drei verschiedenen, klar definierten Zeitpunkten im Operationsprozess zur Anwendung kommen. Der erste Teil - das Sign In - wird vor der Anästhesieeinleitung durchgeführt, der zweite Teil - das Team Time Out - vor dem Schnitt und der dritte Teil - das Sign Out - am Operationsende. Die Checkliste beinhaltet zwei Arten von Checklistenitems, die Kontroll- und Aufforderungsitems. Die ersteren benötigen eine Kontrolle wie das Prüfen der Patientenidentität, die letzteren fordern zum Informationsaustausch innerhalb des Operationsteams auf. Dazu gehört insbesondere das Besprechen von eingriffs- und patientenspezifischen Risiken.

Patientensicherheit Schweiz hat Checklisten von 18 Pilotbetrieben mit den empfohlenen Checklisten der WHO oder von Patientensicherheit Schweiz verglichen und dabei grosse Abweichungen sowohl in der Anzahl der Checklistenitems als auch inhaltlich festgestellt. Solche Abweichungen können die Wirksamkeit der Checkliste einschränken und sollten nur in begründeten Fällen vorgenommen werden.


Checklisten-Compliance

Im COM-Check Programm konnte festgestellt werden, dass bei 99% der chirurgischen Eingriffe Teile der Checkliste angewendet werden, aber nur in 79% konsequent alle drei Teile. Bei 14% der Operationen wurde das Sign Out ausgelassen. Bei 88% der bearbeiteten Checklisten sind alle Teammitglieder anwesend, aber nur bei 61% pausieren alle ihre Arbeit und widmen ihre Aufmerksamkeit voll und ganz der Checkliste. Die Patientenidentität wird vor Anästhesieeinleitung bei 76% visuell kontrolliert und vor Schnitt bei 45%. Bei 10% der Beobachtungen konnte während der Checklistenanwendung eine Unstimmigkeit entdeckt und rechtzeitig behoben werden.


Pilotspitäler

Die aufgelisteten Pilotspitäler haben das Monitoring-Konzept zur Messung und Verbesserung der Compliance mit der Checkliste in ihren Betrieben eingeführt und erprobt.

  • Hirslanden AndreasKlinik Cham Zug
  • Clinica Ars Medica
  • Ospedale Regionale di Bellinzona e Valli
  • Privatklinik Bethanien
  • Medizinisches Zentrum Brugg AG
  • Spital Davos
  • Hôpital ophtalmique Jules-Gonin, HOJG
  • See-Spital Horgen Kilchberg
  • Ospedale Regionale di Lugano
  • Spital Männedorf
  • Hôpital Riviera-Chablais Vaud-Valais
  • Clinica Sant’Anna
  • Universitäts-Kinderspital beider Basel, UKBB
  • Spital Zofingen

Schriftenreihen Sichere Chirurgie

Die Schriftenreihe Nr. 5 bildete die Grundlage des Programms «progress! Sichere Chirurgie». Darin werden ausführliche Erläuterungen, Hintergrundinformationen und Empfehlungen sowohl für die Einführung des Gesamtkonzeptes als auch für die konkrete Anwendung im Einzelfall formuliert.

Im COM-Check-Programm ist die Schriftenreihe Nr. 5+ entstanden, die aus zwei Teilen besteht. Im ersten Teil fliessen die Erfahrungen aus der Praxis und die Erkenntnisse aus dem nationalen Pilotprogramm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» ein, was als Ergänzung zu den Ausführungen in Schriftenreihe Nr. 5 zu verstehen ist. Im zweiten Teil wird das Monitoring-Konzept inklusive des neuen Beobachtungsinstruments beschrieben. Sie steht in Deutsch, Französisch und Italienisch zur Verfügung.


Schulungsfilm



Unterstützung

Das Programm ist bei den Fachpersonen breit abgestützt. Folgende Verbände und Organisationen unterstützten das Programm ideell:

  • FMCH Foederatio Medicorum Chirurgicorum Helvetica
  • FMH Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte
  • SBV TOA Schweizerischer Berufsverband Dipl. Fachfrauen/-männer Operationstechnik HF
  • LOPS Vereinigung für leitendes OP-Personal und OP-Management
  • SIGA/FSIA Schweizerische Interessen-gemeinschaft für Anästhesiepflege
  • SIGOP-SIDOPS Soins infirmiers Domaine Opératoire Suisse
  • H+ Die Spitäler der Schweiz

«progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» wurde vom BAG, der FMCH und der HANELA-Stiftung finanziell unterstützt.


Das Projekt wurde seitens der Stiftung von Anita Imhof geleitet.

Bitte wenden Sie sich an das Sekretariat

infonoSpam@patientensicherheit.noSpamch