Nationales Pilotprogramm «progress!»

«progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» Sicherheit durch Selbstevaluation und Feedback

Eine hohe Compliance mit der chirurgischen Checkliste trägt wesentlich dazu bei, dass keine Patientin, kein Patient zu einem vermeidbaren Schaden kommt. Das nationale Pilotprogramm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» hatte zum Ziel,  diese Compliance zu untersuchen und nachhaltig zu verbessern. Mehrere Spitäler haben am Pilotprogramm teilgenommen, es wurde per 30. September 2021 abgeschlossen. Die Abschlusskommunikation erfolgt mit der Schriftenreihe 5+ und einem Schulungsfilm in Deutsch, Italienisch und Französisch ab Januar 2022.


Die Checkliste allein genügt nicht, denn
Checken ist mehr als nur Abhaken!

Die chirurgische Checkliste ist ein wichtiges Element der Patientensicherheit. Während das Programm «progress! Sichere Chirurgie» (2013-2015) die Checkliste Sichere Chirurgie schweizweit einführte, hat das Pilotprogramm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» (2018-2021) zum Ziel, deren Anwendung in der Schweiz zu überprüfen und zu verbessern.

COM-Check steht für Compliance mit der chirurgischen Checkliste. Eine hohe Compliance bedeutet, dass diese vom ganzen Operationsteam konsequent und korrekt angewendet wird. Sicherheitsrelevante Team- und Kommunikationsprozesse stehen im Fokus. Im Programm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» wurde die Compliance mit der Checkliste von den Spitälern selbst geprüft und durch Beobachtung und Feedback verbessert. Verlaufsmessungen sollen diese nachhaltig auf hohem Niveau halten.

Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz unterstützte die Pilotbetriebe beim Aufbau von internen Strukturen und Kompetenzen zur Erhebung der Compliance mit der chirurgischen Checkliste und beim Einleiten von Verbesserungsprozessen. Das eigens dafür entwickelte Beobachtungsinstrument wurde den Spitälern zur Verfügung gestellt und die Projektteams wurden in der Beobachtung und im Feedbackgeben geschult.


«progress! COM-Check – Sichere Chirurgie»

17 Pilotspitäler mit 20 Standorten haben die Programmvereinbarung unterschrieben und nahmen im Januar 2020 an der Kick-off-Veranstaltung teil. Alle hatten bereits Erfahrungen mit der chirurgischen Checkliste und  beabsichtigten, deren Anwendung und die damit verbundene Sicherheitskultur zu verbessern. Fünf Pilotbetriebe sind im Verlauf aufgrund der Coronavirus-Pandemie und anderen Gründen aus dem Programm ausgestiegen.

Im Programm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» wurde die Compliance im Rahmen des internen Qualitätsmanagements systematisch erhoben, durch Feedback verbessert und im Verlauf überwacht. Die Qualität des Checklistenprozesses wurde von einem betriebsinternen Beobachtungsteam beurteilt. Leitende Ärztinnen und Ärzten der Chirurgie und der Anästhesie sowie Führungspersonen der OP- oder Anästhesiepflege beobachteten die Anwendung der Checkliste und gaben dem OP-Team – ihren Kolleginnen und Kollegen – ein unmittelbares, lernförderndes Feedback.

Um blinde Flecken zu vermeiden und das gegenseitige Lernen zu fördern, beobachtete das Beobachtungsteam auch jene Teile der Checkliste, die im Verantwortungsbereich einer anderen Berufsgruppe lagen. Am Ende einer Messperiode analysierte das Projektteam die Compliance-Daten und leitete bei Bedarf weitere Verbesserungsmassnahmen ein, wie zum Beispiel eine Anpassung der aktuell verwendeten Checkliste oder den dazugehörigen Richtlinien, Schulungen für die Checklistenkoordination oder für neues OP-Personal, Entwicklung von strukturellen Hilfsmitteln, wie z. B. einer Poket Card sowie die Planung der nächsten Verlaufsmessung.

Checklisten-Compliance Schweiz

Die chirurgische Checkliste ist heute in den meisten Schweizer Spitälern eingeführt und wird im Grundsatz akzeptiert. Das zeigen Interviews (>>> Link), die Patientensicherheit Schweiz von Januar bis März 2019 mit Checklisten-Verantwortlichen in Chirurgie, Anästhesie, OP-Pflege und OP-Management aus unterschiedlichen Spitälern und ambulant-chirurgischen Praxen geführt hat.

Allerdings hat von den 16 befragten Gesundheitseinrichtungen nur ein Spital kontinuierlich und systematisch die Compliance mit der chirurgischen Checkliste erhoben. Doch alle Interviewten schätzen die Häufigkeit, mit der die Checkliste in ihrem Haus zum Einsatz kommt, auf über 90 Prozent der Operationen. Kritischer fällt ihre Beurteilung zur Qualität der Durchführung aus. Auch bei einer erfolgreich eingeführten Checkliste schleichen sich mit der Routine Nachlässigkeiten ein. Es werden z. B. nicht mehr alle Checklistenpunkte mit der gleichen Konsequenz bearbeitet, die Aufmerksamkeit nimmt ab oder Bedenken werden bei Zeitdruck nicht geäussert. Diese Erfahrungen bestätigen nationale Studien, die Lücken in der Compliance und beim Erfassen von dieser aufzeigen (Cullati et al. 2013; Schwendimann et al. 2019; Seppey, Oesch, and Viehl 2019).

«progress! Sichere Chirurgie»

Das nationale Pilotprogramm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» ist ein Nachfolgeprogramm von «progress! Sichere Chirurgie», welches in den Jahren 2013 bis 2015 umgesetzt wurde. Kernstück des Vorgängerprogramms bildete die WHO Surgical Safety Checklist, die spezifisch für die Schweiz adaptiert wurde, mit dem Ziel, die Zahl der invasiven Zwischenfälle in der Schweiz zu senken. Die im ersten nationalen Pilotprogramm entwickelten Grundlagen wie die Schriftenreihe Nr. 5, die Checkliste Sichere Chirurgie, der Umsetzungskoffer mit Hilfsmitteln zur Implementierung der chirurgischen Checkliste im Betrieb sowie das eLearning Programm zur Schulung der Mitarbeitenden stehen den chirurgisch tätigen Institutionen noch immer zur Verfügung.

Chirurgische Checkliste

Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2009 publizierte Surgical Safety Checklist wurde von der Stiftung Patientensicherheit Schweiz für die Schweiz adaptiert (2012) und im Rahmen des Programmes «progress! Sichere Chirurgie» (2013 – 2015) in der Schweiz verbreitet. Die chirurgische Checkliste hat zum Ziel, unnötige Komplikationen bei Operationen zu vermeiden. Die Checkliste erfüllt jedoch nur dann ihren Zweck, wenn sie vom ganzen Operationsteam konsequent, vollständig und richtig angewendet wird.

Die chirurgische Checkliste besteht aus drei Teilen, die zu drei verschiedenen, klar definierten Zeitpunkten im Operationsprozess zur Anwendung kommen. Der erste Teil - das Sign In - wird vor der Anästhesieeinleitung durchgeführt, der zweite Teil - das Team Time Out - vor dem Schnitt und der dritte Teil - das Sign Out - am Operationsende. Die Checkliste beinhaltet zwei Arten von Checklistenpunkten. Die einen benötigen eine Kontrolle wie das Prüfen der Patientenidentität, die anderen dienen dem Informationsaustausch innerhalb des Operationsteams. Dazu gehört der Austausch zum geplanten Operationsprozedere sowie zu möglichen Risiken.

Die chirurgische Checkliste hat zum Ziel, unnötige Komplikationen bei Operationen zu vermeiden. Die Checkliste erfüllt jedoch nur dann ihren Zweck, wenn sie vom ganzen Operationsteam konsequent, vollständig und richtig angewendet wird. Im Programm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» wird ein Monitoringsystem eingeführt, bei dem die Compliance mit der chirurgischen Checkliste regelmässig gemessen und durch direkte, lernförderliche Feedbacks an das Operationsteam verbessert bzw. auf hohem Niveau gehalten wird.


Schriftenreihen Sichere Chirurgie

Die Schriftenreihe Nr. 5 bildete die Grundlage des Programms «progress! Sichere Chirurgie». Darin werden ausführliche Erläuterungen, Hintergrundinformationen und Empfehlungen sowohl für die Einführung des Gesamtkonzeptes als auch für die konkrete Anwendung im Einzelfall formuliert.

Im COM-Check-Programm ist die Schriftenreihe Nr. 5+ entstanden, die aus zwei Teilen besteht. Im ersten Teil fliessen die Erfahrungen aus der Praxis und die Erkenntnisse aus dem nationalen Pilotprogramm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» ein, was als Ergänzung zu den Ausführungen in Schriftenreihe Nr. 5 zu verstehen ist. Im zweiten Teil wird das Monitoring-Konzept inklusive des neuen Beobachtungsinstruments beschrieben. Sie wird ab Januar 2022 in Deutsch, Französisch und Italienisch zur Verfügung stehen.


Wer das Programm unterstützt

Da Programm ist bei den Fachpersonen breit abgestützt. Folgende Verbände und Organisationen unterstützten das Programm ideell:

• FMCH Foederatio Medicorum Chirurgicorum Helvetica
• FMH Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte
• SBV TOA Schweizerischer Berufsverband Dipl. Fachfrauen/-männer Operationstechnik HF
• LOPS Vereinigung für leitendes OP-Personal und OP-Management
• SIGA/FSIA Schweizerische Interessen-gemeinschaft für Anästhesiepflege
• H+ Die Spitäler der Schweiz

«progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» wurde vom BAG finanziell unterstützt.

Anita Imhof MSc
Programmleiterin

+41 43 244 14 97
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