Akzidentelle Überdosierungen von Methotrexat verhindern

Was unternehmen Leistungserbringer, um gefährliche Überdosierungen des Medikaments Methotrexat zu verhindern? Ein aktuelles Forschungsprojekt geht dieser Frage nach.

Hintergrund

Menschen mit entzündlichen Erkrankungen werden oft mit Methotrexat behandelt. Bei dieser Indikation wird es – anders als bei Krebserkrankungen –  nur einmal in der Woche angewandt, was eine eher unübliche Dosierungsfrequenz ist. So passiert es immer wieder, dass Methotrexat fälschlicherweise täglich statt wöchentlich eingenommen wird. Eine solche Überdosierung kann gravierende gesundheitliche Folgen haben oder sogar tödlich sein. Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz, Swissmedic und ToxInfoSuisse weisen bereits seit Längerem auf diese Gefahr hin [1-3], weshalb dazu bereits ein Quick-Alert [4] veröffentlicht wurde.

Mögliche Massnahmen

Die versehentliche Überdosierung ist mit bestimmten Massnahmen vermeidbar. Beispielsweise nützen Warnhinweise auf den Tablettenverpackungen, die auf die korrekte Dosierung aufmerksam machen. Auch helfen technologische Barrieren bereits bei der Verordnung. Die Anpassung der Packungsgrössen kann ebenfalls eine wichtige Präventionsmassnahme sein. Bisher ist allerdings nicht bekannt, in welchem Ausmass solche Massnahmen im Schweizer Gesundheitswesen bereits implementiert sind und wie viele Patientinnen und Patienten davon potenziell betroffen sind.

Forschungsprojekt

Ein 2021 und 2022 laufendes Forschungsprojekt soll deshalb folgende Fragen beantworten:

  1. Wie verbreitet sind Massnahmen in öffentlichen Apotheken und Spitälern, um akzidentelle Methotrexat-Überdosierungen zu vermeiden?
  2. Wie häufig wird niedrig-dosiertes Methotrexat in der Schweiz eingesetzt?

Um diese Fragestellungen zu beantworten, werden einerseits Befragungen bei Apotheken in zwei Regionen und bei Spitalapotheken in der ganzen Schweiz durchgeführt. Ebenso soll der Verbrauch von Methotrexat anhand einer Datenbank analysiert werden.

Projektziel

Die Erkenntnisse sollen wissenschaftlich publiziert werden. Basierend darauf kann dargelegt werden, wo im Schweizer Gesundheitswesen Verbesserungsbedarf bezüglich Methotrexat-Überdosierungen besteht. Patientinnen und Patienten mit entzündlichen Erkrankungen, die in der Schweiz mit Methotrexat behandelt werden, können in Zukunft somit sicherer versorgt werden.

Quellen/Verweise

  1. Weiler S et al. Panzytopenie unter Methotrexat. Swiss Med Forum 2017;17:594–596. medicalforum.ch/de/detail/doi/smf.2017.03013
  2. Abegglen J et al. Akzidentelle Überdosierung von Methotrexat. Schweizerische Ärztezeitung 2012;93:1818. saez.ch/article/doi/saez.2012.01111
  3. Damke B et al. Akzidentelle Überdosierungen von Low Dose Methotrexat. Schweizerische Ärztezeitung 2015;96:1845. saez.ch/article/doi/saez.2015.04145
  4. Stiftung Patientensicherheit Schweiz. Quick-Alert Nr. 28 - Methotrexat-Intoxikation. 2012.

Dr. Lea Brühwiler
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

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