Frühwarnsystem zur Detektion sich verschlechternder Patienten

Mit einem Frühwarnsystem können Patienten mit sich kritisch verschlechterndem Gesundheitszustand auf einer peripheren Bettenstation frühzeitig erkannt und somit rasch adäquate Massnahmen eingeleitet werden. Das Projekt der Stiftung Patientensicherheit Schweiz widmet sich der Implementierung eines validierten Instruments (Modified Early Warning Score = MEWS), dem Transfer in den lokalen Kontext eines Schweizer Spitals und der Entwicklung von Handlungsempfehlungen.

Hintergrund

Weltweit zeigen in der Gesundheitsversorgung tätige Fachpersonen, dass die Patientensicherheit einen hohen Stellenwert für ihre Arbeit einnimmt und Zwischenfälle, die vor langem noch als unvermeidbar galten, heute nicht mehr akzeptabel sind. So gewinnt die zu spät bemerkte oder sogar unbemerkte Verschlechterung des Gesundheitszustandes eines Patienten eine immer grössere Bedeutung für die Patientensicherheit. Den innerklinischen Todesfällen und ungeplanten Verlegungen auf die Intensivstation geht häufig eine langsam progrediente Verschlechterung des Patienten voraus, die vom medizinischen Personal erkannt werden müsste. Klinische Parameter und Symptome einer physiologischen Instabilität zeigen sich bereits einige Stunden vor der Verschlechterung und mit Hilfe messbarer Kriterien können Veränderungen der Basisparameter und damit eine potenzielle Gefährdung des Patienten erkannt werden. Meist wird jedoch erst ein Alarm ausgelöst, wenn sich die Situation zuspitzt und Gefahr für das Leben des Patienten droht. Mit einem Frühwarnsystem können Patienten mit sich kritisch verschlechterndem Gesundheitszustand auf einer Bettenstation frühzeitig erkannt und somit rasch adäquate Massnahmen eingeleitet werden.Grundlage eines solchen Frühwarnsystems sind Basisparameter von Vitalfunktionen wie bspw. die Herz- und Atemfrequenz, der Blutdruck, die Körpertemperatur und der Bewusstseinszustand. Die konsequente Anwendung eines systematischen und standardisierten Frühwarnsystems, das aus diesen Parametern ein Scoringsystem erstellt, soll vermeiden, dass Patienten im Rahmen einer verzögert oder nicht erkannten, akuten klinischen Verschlechterung ungeplant von einer Bettenstation auf die Intensivstation verlegt werden oder sogar auf der Bettenstation versterben.

Praxisprojekt

Das von der Stiftung Patientensicherheit Schweiz durchgeführte Praxisprojekt zielte auf den Transfer eines validierten Instruments zur Früherkennung in den lokalen Kontext eines Schweizer Spitals und den dafür erforderlichen Anpassungen und Erfahrungen ab. Es beinhaltete die Durchführung von drei aufeinander folgenden Projektphasen um die Ergebnisse und Erfahrungen in die Entwicklung von Empfehlungen zur systematischen Anwendung eines Frühwarnsystems einfliessen zu lassen:

  • Modul 1: schriftliche Befragung der Chefärzte medizinischer und chirurgischer Kliniken aller Schweizer Spitäler in Bezug auf ihre Einstellungen und Haltungen gegenüber Instrumenten zur Früherkennung sich unbemerkt nverschlechternder Patienten auf Bettenstationen
  • Modul 2: Praxistest in einem Schweizer Spital: systematische Anwendung eines validierten Instruments zur Früherkennung
  • Modul 3: Durchführung von Fokusgruppen-Interviews über die Erfahrungen bei der Implementierung und systematischen Anwendung des ausgewählten Instruments zur Früherkennung
  • Modul 4: Entwicklung von Empfehlungen für die Implementierung und systematische Anwendung eines Frühwarnsystems für akutstationäre Einrichtungen in der Gesundheitsversorgung der Schweiz

Die neu gewonnenen Ergebnisse aus der jeweiligen Projektphase bildeten die Grundlage für die Entwicklung von Empfehlungen zur Einführung und systematischen Anwendung von Frühwarnsystemen (Modul 4). Zudem wurde bei der Entwicklung die Fachexpertise verschiedener Experten berücksichtigt, welche über Know-how in der Thematik von Frühwarnsystemen und über Praxiserfahrungen verfügen.

Dr. Olga Frank

Projektleiterin
T +41 43 244 14 84, Mail