Interaktives Lernen im Room of Horrors

Das Bewusstsein für Patientengefährdungen lässt sich spielerisch trainieren ‒ zum Beispiel im Room of Horrors, ein Trainingsraum, in dem Fehler und Risiken für die Patientensicherheit versteckt sind. Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz hat dazu im Rahmen eines Forschungsprojekts ein Handbuch zu sechs Szenarien erarbeitet. Einige Spitäler und Kliniken haben es für ein Training im Room of Horrors während der Aktionswoche Patientensicherheit 2019 verwendet. Seit Oktober 2019 untersucht die Stiftung die Qualität von Trainings im Room of Horrors, wertet die Daten anschliessend aus und publiziert die Ergebnisse Ende Mai 2020.

Patientensicherheit Schweiz hat für das interaktive Lernen im Room of Horrors Szenarien für folgende Fachbereiche entwickelt: Je ein Patientenzimmer der inneren Medizin, Geriatrie, Orthopädie, Pädiatrie und Chirurgie sowie einen Richteraum für Medikamente. Die Szenarien befinden sich im Handbuch, das in drei Sprachen zum Download zur Verfügung steht. Die darin enthaltenen Arbeitsblätter können mit Fehlern aus dem eigenen Betrieb ergänzt werden.

Einfach umsetzbar
In angelsächsischen Ländern ist der Room of Horrors verbreitet. Verschiedene Spitäler in Grossbritannien, Kanada und in den USA setzen ihn beispielsweise für Pflege- und Medizinstudierende und zu Arbeitsantritt neuer Assistenzärzte ein (z.B. https://wire.ama-assn.org/education/4-hazards-medical-trainees-face-hospital-Room-Horrors).
Erste positive Erfahrungen mit diesem Konzept wurden auch in der Schweiz gesammelt. Es zeigt sich, dass ein Room of Horrors auf spielerische Art und Weise das Situationsbewusstsein für konkrete Gefahren fördert und die Sicherheitskultur in Gesundheitseinrichtungen stärkt. Da ein Room of Horrors einfach umsetzbar ist, eignet sich diese Art des interaktiven Lernens auch für kleinere Spitäler. Deshalb verbreitet die Stiftung Patientensicherheit Schweiz das Konzept.

Projektablauf
Interprofessionelle Teams oder einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betraten während der Aktionswoche Patientensicherheit vom 16. bis 22. September 2019 den Trainingsraum und suchten während 15 bis 20 Minuten nach Fehlern und Risiken für die fiktive Patientin, den fiktiven Patienten. Dies konnte zum Beispiel ein Nachtstuhl sein, der nicht arretiert war, oder eine nicht indizierte Bluttransfusion. Die gefundenen Gefährdungen wurden auf einem Auswertungsbogen dokumentiert. Im Anschluss erhielten die Teilnehmenden die Auflösung der versteckten Fehler und Risiken. Dies geschah in Form eines Auflösungsblattes, in einer Feedbackrunde oder in einem gemeinsamen Anlass .

Evaluation
14 Spitäler stellten der Stiftung Patientensicherheit Schweiz Anfang Oktober 2019 die Auswertungsbogen anonymisiert zur Datenerhebung und zur Evaluation zur Verfügung. Zudem führte die Stiftung in 9 Spitälern Beobachtungen durch, um zu erfassen, wie die Interaktionen in Teams abliefen, welche die Fehler und Risiken im Room of Horrors gemeinsam suchten. Ende Mai 2020 publiziert die Stiftung die Ergebnisse.

Für die quantitative Analyse ist von Interesse, welche Patientengefährdungen wie häufig erkannt werden. Dies kann Hinweise auf besondere Problembereiche geben, für die das Situationsbewusstsein nicht besonders ausgeprägt ist (z.B. ein nicht-unterschriebenes Einverständnisformular vor einer Operation).
Der zweite Schwerpunkt der Evaluation liegt auf der qualitativen Analyse. Sie dreht sich um die Fragen, wie Teams die gemeinsame Aufgabe lösen, zu welchem Austausch es dabei kommt sowie, ob und in welcher Form über Belange der Patientensicherheit diskutiert wird.

Finanzierung
Das Projekt wird vom Bundesamt für Gesundheit BAG finanziell unterstützt.

 

 

Chantal Zimmermann M.A.
Projektleiterin

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