Interaktives Lernen im Room of Horrors

Das Bewusstsein für Patientengefährdungen lässt sich spielerisch trainieren ‒ zum Beispiel in einem Room of Horrors. Dabei handelt es sich um einen Trainingsraum, in dem Fehler und Risiken für die Patientensicherheit versteckt sind. Seit Juli 2019 stellt die Stiftung Patientensicherheit Schweiz den Spitälern ein Handbuch mit sechs Szenarien und Auswertungsbogen zur Verfügung. Ab Oktober 2019 werden die Auswertungen von 14 Spitälern evaluiert.

Patientensicherheit Schweiz hat für das interaktive Lernen im Room of Horrors Szenarien für folgende Fachbereiche entwickelt: Je ein Patientenzimmer der inneren Medizin, Geriatrie, Orthopädie, Pädiatrie und Chirurgie sowie einen Richteraum für Medikamente. Die Szenarien befinden sich im Handbuch, das in drei Sprachen zum Download zur Verfügung steht. Die darin enthaltenen Arbeitsblätter können mit Fehlern aus dem eigenen Betrieb ergänzt werden.

Projektablauf
Interprofessionelle Teams oder einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreten während der Aktionswoche Patientensicherheit vom 16. bis 22. September 2019 den Trainingsraum und suchen während 15 bis 20 Minuten nach Fehlern und Risiken für die fiktive Patientin, den fiktiven Patienten. Dies kann zum Beispiel ein Nachtstuhl sein, der nicht arretiert ist, oder eine nicht indizierte Bluttransfusion. Die gefundenen Gefährdungen werden auf einem Auswertungsbogen dokumentiert, der ebenfalls im Manual zu finden ist. Im Anschluss erhalten die Teilnehmenden die Auflösung der versteckten Fehler und Risiken. Dies kann in Form eines Auflösungsblattes, in einer Feedbackrunde oder in einem gemeinsamen Anlass geschehen.

Evaluation
14 Spitäler stellen der Stiftung Patientensicherheit Schweiz Anfang Oktober 2019 die Auswertungsbogen anonymisiert zur Datenerhebung und zur Evaluation zur Verfügung. Zudem führt die Stiftung in 9 Spitälern Beobachtungen durch, um zu erfassen, wie die Interaktionen in Teams ablaufen, welche die Fehler und Risiken im Room of Horrors gemeinsam suchen. Danach wertet sie die Daten aus und publiziert die Ergebnisse Ende Mai 2020.

Für die quantitative Analyse ist von Interesse, welche Patientengefährdungen wie häufig erkannt werden. Dies kann Hinweise auf besondere Problembereiche geben, für die das Situationsbewusstsein nicht besonders ausgeprägt ist (z.B. ein nicht-unterschriebenes Einverständnisformular vor einer Operation).
Der zweite Schwerpunkt der Evaluation liegt auf der qualitativen Analyse. Sie dreht sich um die Fragen, wie Teams die gemeinsame Aufgabe lösen, zu welchem Austausch es dabei kommt sowie, ob und in welcher Form über Belange der Patientensicherheit diskutiert wird.

Finanzierung
Das Projekt wird vom Bundesamt für Gesundheit BAG finanziell unterstützt.

Zum Room of Horrors
In angelsächsischen Ländern ist der Room of Horrors verbreitet. Verschiedene Spitäler in Grossbritannien, Kanada und in den USA setzen ihn beispielsweise für Pflege- und Medizinstudierende und zu Arbeitsantritt neuer Assistenzärzte ein (z.B. https://wire.ama-assn.org/education/4-hazards-medical-trainees-face-hospital-Room-Horrors).
Erste positive Erfahrungen mit diesem Konzept wurden auch in der Schweiz gesammelt. Es zeigt sich, dass ein Room of Horrors auf spielerische Art und Weise das Situationsbewusstsein für konkrete Gefahren fördert und die Sicherheitskultur in Gesundheitseinrichtungen stärkt. Da ein Room of Horrors einfach umsetzbar ist, eignet sich diese Art des interaktiven Lernens auch für kleinere Spitäler. Deshalb verbreitet die Stiftung Patientensicherheit Schweiz das Konzept.