Patientensicherheit Schweiz

CIRRNET

CIRRNET, das Critical  Incident Reporting & Reacting NETwork, ist das Netzwerk lokaler Fehlermeldesysteme der Stiftung Patientensicherheit Schweiz.

Das Critical Incident Reporting & Reacting NETwork (CIRRNET) von Patientensicherheit Schweiz wurde in Kooperation mit der Schweizerischen Gesellschaft für Anästhesiologie und Reanimation (SGAR) und mit Unterstützung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) aufgebaut. CIRRNET ermöglicht den ihm angeschlossenen Gesundheitsorganisationen, Fehlermeldungen aus ihrem lokalen CIRS (Critical Incident Reporting System) anonymisiert einzuspeisen.

In CIRRNET werden Meldungen aus lokalen Fehlermeldesystemen auf überregionalem Niveau vergemeinschaftet, den angeschlossenen Gesundheitsinstitutionen zugänglich gemacht und gemeinsam mit Experten bearbeitet. CIRRNET unterscheidet sich von den meisten CIRS-Netzwerken dadurch, dass aus den lokalen Fehlermeldungen überregional relevante Problemfelder identifiziert und Verbesserungsempfehlungen von Fachleuten entwickelt und durch die Stiftung für Patientensicherheit verbreitet werden.

Nutzen von Fehlermeldensystemen

  • Lernen von anderen und Fehlerprävention: uneingeschränkte Einsicht in alle Fehlermeldungen und direkte Nutzung für interne Lernzwecke
  • Quick-Alerts: Austausch mit Experten zu spezifischen, überregional relevanten Fachproblemen, gemeinsame Entwicklung und Veröffentlichung von Empfehlungen.
  • Strategischer Nutzen: Manifestation des Engagement in Patientensicherheit und klinischem Risikomanagement nach innen und nach aussen.
  • Sicherheitskultur: Fehlermeldesysteme sind Träger und Teil der Sicherheitskultur. Durch die Beteiligung an diesem Netzwerk wird diese gefördert.
     

Empfehlungen für das Betreiben eines Bericht- und Lernsystems (CIRS)

  1. Die Leitung jeder Gesundheitseinrichtung definiert eindeutig, was im lokalen Bericht- und Lernsystem berichtet werden soll. Die Definition ist allen Mitarbeitern bekannt. Fälle mit Schaden und/oder Schadenspotenzial sollen nicht in Bericht- und Lernsystemen gemeldet werden. Melde- und Analysetechniken werden gelehrt und trainiert.
  2. Jedes CIRS sollte ein anonymes Berichten ermöglichen. Das bedeutet konkret, dass die Identität des Berichtenden sowie die des Patienten nicht an Dritte weitergegeben wird. Sie kann jedoch (zumindest initial) dem Team des Berichtssystems bekannt sein.
  3. Es dürfen keine Querverweise von Bericht-und Lernsystemen und Patientendokumentationen bzw. Krankenakten und anderen medizinischen Dokumenten existieren.
  4. Alle in einem Bericht- und Lernsystem gemeldeten Ereignisse und Personen werden einer konsequenten  Anonymisierung und De-Identifizierung unterzogen. Es werden keine personenbezogenen Daten im Rahmen eines CIRS-Berichts abgefragt oder gespeichert. Die Berichte werden ggf. weiter anonymisiert und de-identifiziert, bevor sie bearbeitet, weitergeleitet oder veröffentlicht werden.
  5. Fälle mit Schaden und/oder Schadenspotenzial werden im CIRS gelöscht und allenfalls in einem entsprechenden separaten System für Schadensfälle gemeldet und dokumentiert.
  6. Mitarbeiter dürfen für Ereignisse, über die sie berichten, keine Nachteile erfahren. Insbesondere dürfen sie nicht für Systemfehler verantwortlich gemacht werden.
  7. Muss eine Gesundheitseinrichtung der Editionspflicht durch eine Justizbehörde nachkommen, sollte nach sorgfältiger Abwägung eine Siegelung verlangt werden.

Rechtsgutachten zum Bundesgerichtsentscheid BGer 1B_289/2016

Patientensicherheit Schweiz hat das Institut für Gesundheitsrecht der Universität Neuenburg (nachfolgend IGR) beauftragt, den Bundesgerichtsentscheid vom 8. Dezember 2016 (BGer 1B_289/2016) zu analysieren und die Rechtsfragen zu prüfen, die sich im Zusammenhang mit den Critical Incident Reporting Systems (Berichts- und Lernsysteme, nachfolgend CIRS) und insbesondere mit dem schweizerischen Netzwerk der lokalen Fehlermeldesysteme (CIRRNET) stellen.

Hintergrund

Bericht- und Lernsysteme (CIRS) sind in Schweizer Gesundheitseinrichtungen weitverbreitet. Die zentrale Voraussetzung dafür, dass Mitarbeitende das CIRS nutzen, ist Vertrauen. Im Jahr 2018 verbreitete sich eine Verunsicherung bei den Mitarbeitenden in den Gesundheitseinrichtungen. Aufgrund der in der Schweiz  fehlenden gesetzlichen Schutzregelungen für CIRS-Systeme, befürchten sie zu Recht, dass die freiwilligen Berichte zum Nachteil des Meldenden verwendet werden können.  
Zur Befürchtung Anlass gab beispielsweise ein im Kanton Tessin bekannt gewordener Haftpflichtfall, in dem die Staatsanwaltschaft Einblick ins CIRS verlangte und das angerufene Bundesgericht die Rechtmässigkeit, ins CIRS einzusehen, bestätigte. Die fehlenden gesetzlichen Schutzregelungen für CIRS-Systeme sind seit  Anbeginn ein Unsicherheitsfaktor im Betreiben von CIRS-Systemen. Um die Problematik der fehlenden  gesetzlichen Schutzregelungen für das Schweizer Gesundheitssystem juristisch korrekt beurteilen zu  können, beauftragte die Stiftung für Patientensicherheit Schweiz das Institut für Gesundheitsrecht der  Universität Neuchâtel mit der Erstellung eines Gutachtens.  
 Die folgenden Schwerpunkte stehen in dessen Fokus :

  • Auswirkungen des Bundesgerichtsurteils auf das Betreiben von CIRS-Systemen im Schweizer  Gesundheitssystem
  • Möglichkeiten des Schutzes von CIRS-Systemen
  • Empfehlungen zum sicheren Betreiben von CIRS-Systemen

Das Gutachten verdeutlicht die juristischen Auswirkungen des Bundesgerichtsurteils auf das Betreiben von CIRS-Systemen und zeigt Möglichkeiten für den Schutz von CIRS-Berichten auf, so lange es keine Zweckbindungsgarantie und den Schutz der berichtenden Person von Seiten des Gesetzgebers gibt.  Leistungserbringer sind deshalb angehalten, diese Empfehlungen beim Betreiben ihres lokalen  CIRS-Systems zu berücksichtigen.

 

CIRRNET-Website

  • CIRRNET-Website
  • Zugang zur CIRRNET-Website und allgemeinen Informationen zu CIRRNET haben alle Interessenten
  • Der Zugang zur CIRRNET-Datenbank mit den Fehlermeldungen ist passwortgeschützt.Er steht ausschliesslich den Gesundheitsinstitutionen of fen, welche die CIRRNET-Vereinbarung abschliessen und das Reglement anerkennen.
  • Die vollständige Anonymität der beteiligten Gesundheitseinrichtungen und Personen ist gewährleistet.

Aktivitäten von CIRRNET

CIRRNET-Netzwerktreffen

Im Fokus des nächsten Netzwerktreffens vom 26. Februar 2019 in Chur stehen die Empfehlungen der Stiftung Patientensicherheit Schweiz zum Betreiben eines Berichts- und Lernsystems und sich daraus ergebende juristische Fragestellungen für die Praxis. Gemeinsam mit Fachpersonen werden offene Fragen diskutiert und geklärt, welche im Nachgang an die CIRRNET-Tagung vom 18. September 2018 aufgetaucht sind. Kostenlos teilnehmen können alle Mitarbeitenden aus CIRRNET-Institutionen.

Programm

Anmeldung

CIRRNET-Website
 

CIRRNET-Tagung 2018

Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz führt jedes Jahr eine CIRRNET-Tagung durch. Am 18. September 2018 lag der Fokus in Bern auf den Fehlermeldesystemen und deren juristischen Rahmenbedingungen in der Schweiz. Zum Tagungsbericht

 

CIRRNET-Meldemonat 2018

In Zusammenarbeit mit den CIRRNET-Netzwerkteilnehmern hat Patientensicherheit Schweiz im November 2018 zum dritten Mal einen Meldemonat durchgeführt. Der Fokus dieses Meldemonats galt Berechnungsfehlern bei Verordnungen und bei der Abgabe von Medikamenten. Die Spitäler des Netzwerks waren aufgerufen, im Zeitraum vom 1. – 30. November 2018 besonders auf diese Fehler zu achten, diese in ihr lokales CIRS-System zu melden und dann an die CIRRNET-Datenbank weiterzuleiten. Alle eingetroffenen Meldungen werden vom CIRRNET-Management in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus verschiedenen Spitälern analysiert. Die Ergebnisse der Analyse werden an der CIRRNET-Tagung 2019 präsentiert. Das Ziel des diesjährigen Meldemonats und der Tagung ist, die Verantwortlichen im Gesundheitswesen für die Problematik der Berechnungsfehler zu sensibilisieren und zum Schutz von Patientinnen und Patienten Lösungsansätze zu entwickeln.

Mehr Informationen zum Meldemonat stehen den Spitälern, die CIRRNET angeschlossen sind, auf der CIRRNET-Webseite zur Verfügung.

 

Quick-Alerts

Quick-Alerts sind knapp gefasste Verbesserungsempfehlungen und Warnhinweise aufgrund einzelner, relevanter, brisanter und gut eingrenzbarer Probleme in der Patientensicherheit. Diese überregional relevanten Problemfelder werden aus der CIRRNET-Datenbank identifiziert. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachexperten werden Empfehlungen entwickelt und allen interessierten Gesundheitsfachleuten zur Verfügung gestellt.

Allergien: Ergebnisse einer Analyse

Allergien gegen Arznei- und Lebensmittel können innert kurzer Zeit lebensbedrohliche Zustände hervorrufen. Nicht jede allergische Reaktion kann vermieden werden, denn häufig sind Allergien bis zum ersten Auftreten unbekannt. Tragisch ist, wenn Allergien von Patienten und Patientinnen bekannt sind, bei der Behandlung jedoch nicht berücksichtigt werden. Patientensicherheit Schweiz hat sämtliche dokumentierten CIRRNET-Berichte systematisch analysiert. Die Ergebnisse

Auszeichnung fürs CIRRNET-Netzwerk

Das CIRRNET-Netzwerk wurde am Europäischen Kongress der Spitaldirektoren 2010 mit dem 1. Posterpreis für seine Innovation, seinen praktischen Nutzen und seinen konkret realisierten Arbeitsergebnissen prämiert.

Dr. Olga Frank

Projektleiterin
+41 43 244 14 84
Mail

Carmen Kerker-Specker, MScN

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

+41 43 244 14 93
Mail