Patientensicherheit Schweiz

CIRRNET

CIRRNET, das Critical  Incident Reporting & Reacting NETwork von Patientensicherheit Schweiz ermöglicht den angeschlossenen Gesundheitsorganisationen, Fehlermeldungen aus ihrem lokalen CIRS (Critical Incident Reporting System) anonymisiert einzuspeisen.

Im CIRRNET werden die Meldungen aus lokalen Fehlermeldesystemen vergemeinschaftet und den angeschlossenen Gesundheitsinstitutionen zugänglich gemacht. Dadurch sind überregional relevante Problemfelder identifizierbar. Experten analysieren diese und stellen ihre Auswertungen und Verbesserungsempfehlungen allen angeschlossenen Institutionen zur Verfügung. Verbreitet werden die Erkenntnisse von Patientensicherheit Schweiz.

Ins Leben gerufen hat CIRRNET die Stiftung Patientensicherheit in Kooperation mit der Schweizerischen Gesellschaft für Anästhesiologie und Reanimation (SGAR) und mit der Unterstützung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) .

Die CIRRNET-Website steht allen Interessenten offen, doch die CIRRNET-Datenbank mit den Fehlermeldungen ist passwortgeschützt. Ein Passwort bekommen ausschliesslich Gesundheitsinstitutionen, welche mit Patientensicherheit Schweiz eine CIRRNET-Vereinbarung abschliessen.

Vorteile von CIRRNET

  • Fehlerprävention durchs Lernen von anderen: uneingeschränkte Einsicht in alle Fehlermeldungen und direkte Nutzung für interne Lernzwecke
  • Quick-Alerts: Experten diskutieren spezifische Fachprobleme, entwickeln gemeinsam Lösungen und geben Empfehlungen ab.
  • Strategischer Nutzen: Das Engagement für Patientensicherheit und für klinisches Risikomanagement ist nach innen und aussen sichtbar.
  • Sicherheitskultur: Fehlermeldesysteme sind Teil der Sicherheitskultur einer Institution. Durch CIRRNET wird diese gefördert.
     

Aktivitäten von CIRRNET

CIRRNET-Netzwerktreffen

Im Fokus des nächsten Netzwerktreffens vom 26. Februar 2019 in Chur stehen die Empfehlungen der Stiftung Patientensicherheit Schweiz zum Betreiben eines Berichts- und Lernsystems und sich daraus ergebende juristische Fragestellungen für die Praxis. Gemeinsam mit Fachpersonen werden offene Fragen diskutiert und geklärt, welche im Nachgang an die CIRRNET-Tagung vom 18. September 2018 aufgetaucht sind. Kostenlos teilnehmen können alle Mitarbeitenden aus CIRRNET-Institutionen.

Programm

Anmeldung

CIRRNET-Website
 

CIRRNET-Tagung 2018

Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz führt jedes Jahr eine CIRRNET-Tagung durch. Am 18. September 2018 lag der Fokus in Bern auf den Fehlermeldesystemen und deren juristischen Rahmenbedingungen in der Schweiz. Zum Tagungsbericht

 

Quick-Alerts

Quick-Alerts sind knapp gefasste Verbesserungsempfehlungen und Warnhinweise aufgrund einzelner, relevanter, brisanter und gut eingrenzbarer Probleme in der Patientensicherheit. Diese überregional relevanten Problemfelder werden aus der CIRRNET-Datenbank identifiziert. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachexperten werden Empfehlungen entwickelt und allen interessierten Gesundheitsfachleuten zur Verfügung gestellt.

 

Allergien: Ergebnisse einer Analyse

Allergien gegen Arznei- und Lebensmittel können innert kurzer Zeit lebensbedrohliche Zustände hervorrufen. Nicht jede allergische Reaktion kann vermieden werden, denn häufig sind Allergien bis zum ersten Auftreten unbekannt. Tragisch ist, wenn Allergien von Patienten und Patientinnen bekannt sind, bei der Behandlung jedoch nicht berücksichtigt werden. Patientensicherheit Schweiz hat sämtliche dokumentierten CIRRNET-Berichte systematisch analysiert. Die Ergebnisse

 

Fachartikel

 CB ChefärzteBrief des WW-Instituts zu Quick-Alert über Abkürzungen.

 

Wie ein CIRS betrieben werden soll

Empfehlungen aufgrund des Rechtsgutachtens von 2018

  1. Die Leitung jeder Gesundheitseinrichtung definiert eindeutig, was im lokalen Bericht- und Lernsystem berichtet werden soll. Die Definition ist allen Mitarbeitern bekannt. Fälle mit Schaden und/oder Schadenspotenzial sollen nicht in Bericht- und Lernsystemen gemeldet werden. Melde- und Analysetechniken werden gelehrt und trainiert.
  2. Jedes CIRS sollte ein anonymes Berichten ermöglichen. Das bedeutet konkret, dass die Identität des Berichtenden sowie die des Patienten nicht an Dritte weitergegeben wird. Sie kann jedoch (zumindest initial) dem Team des Berichtssystems bekannt sein.
  3. Es dürfen keine Querverweise von Bericht-und Lernsystemen und Patientendokumentationen bzw. Krankenakten und anderen medizinischen Dokumenten existieren.
  4. Alle in einem Bericht- und Lernsystem gemeldeten Ereignisse und Personen werden einer konsequenten  Anonymisierung und De-Identifizierung unterzogen. Es werden keine personenbezogenen Daten im Rahmen eines CIRS-Berichts abgefragt oder gespeichert. Die Berichte werden ggf. weiter anonymisiert und de-identifiziert, bevor sie bearbeitet, weitergeleitet oder veröffentlicht werden.
  5. Fälle mit Schaden und/oder Schadenspotenzial werden im CIRS gelöscht und allenfalls in einem entsprechenden separaten System für Schadensfälle gemeldet und dokumentiert.
  6. Mitarbeiter dürfen für Ereignisse, über die sie berichten, keine Nachteile erfahren. Insbesondere dürfen sie nicht für Systemfehler verantwortlich gemacht werden.
  7. Muss eine Gesundheitseinrichtung der Editionspflicht durch eine Justizbehörde nachkommen, sollte nach sorgfältiger Abwägung eine Siegelung verlangt werden.

Rechtsgutachten zum Bundesgerichtsentscheid BGer 1B_289/2016

Patientensicherheit Schweiz hat das Institut für Gesundheitsrecht der Universität Neuenburg (nachfolgend IGR) beauftragt, den Bundesgerichtsentscheid vom 8. Dezember 2016 (BGer 1B_289/2016) zu analysieren und die Rechtsfragen zu prüfen, die sich im Zusammenhang mit den Critical Incident Reporting Systems (Berichts- und Lernsysteme, nachfolgend CIRS) und insbesondere mit dem schweizerischen Netzwerk der lokalen Fehlermeldesysteme (CIRRNET) stellen.

Hintergrund

Bericht- und Lernsysteme (CIRS) sind in Schweizer Gesundheitseinrichtungen weitverbreitet. Die zentrale Voraussetzung dafür, dass Mitarbeitende das CIRS nutzen, ist Vertrauen. Im Jahr 2018 verbreitete sich eine Verunsicherung bei den Mitarbeitenden in den Gesundheitseinrichtungen. Aufgrund der in der Schweiz  fehlenden gesetzlichen Schutzregelungen für CIRS-Systeme, befürchten sie zu Recht, dass die freiwilligen Berichte zum Nachteil des Meldenden verwendet werden können.  
Zur Befürchtung Anlass gab beispielsweise ein im Kanton Tessin bekannt gewordener Haftpflichtfall, in dem die Staatsanwaltschaft Einblick ins CIRS verlangte und das angerufene Bundesgericht die Rechtmässigkeit, ins CIRS einzusehen, bestätigte. Die fehlenden gesetzlichen Schutzregelungen für CIRS-Systeme sind seit  Anbeginn ein Unsicherheitsfaktor von CIRS-Systemen. Um die Problematik der fehlenden  gesetzlichen Schutzregelungen für das Schweizer Gesundheitssystem juristisch korrekt beurteilen zu  können, beauftragte Patientensicherheit Schweiz das Institut für Gesundheitsrecht der Universität Neuchâtel mit der Erstellung eines Gutachtens. Die folgenden Schwerpunkte stehen in dessen Fokus :

  • Auswirkungen des Bundesgerichtsurteils auf das Betreiben von CIRS-Systemen im Schweizer  Gesundheitssystem
  • Möglichkeiten des Schutzes von CIRS-Systemen
  • Empfehlungen zum sicheren Betreiben von CIRS-Systemen

Das Gutachten verdeutlicht die juristischen Auswirkungen des Bundesgerichtsurteils und zeigt Möglichkeiten für den Schutz von CIRS-Berichten auf - so lange es weder gesetzliche Zweckbindungsgarantie noch gesetzlichen Schutz der berichtenden Person gibt.

 

Auszeichnung fürs CIRRNET-Netzwerk

Das CIRRNET-Netzwerk wurde am Europäischen Kongress der Spitaldirektoren 2010 mit dem 1. Posterpreis für seine Innovation, seinen praktischen Nutzen und seinen konkret realisierten Arbeitsergebnissen prämiert.

Julia Boysen

Geschäftsführerin

+41 43 244 14 82
Mail

 

Carmen Kerker-Specker, MScN

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

+41 43 244 14 93
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