Mehr Qualität in der Morbiditäts- und Mortalitätskonferenz

Ein neuer Leitfaden für sogenannte Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen, ein bewährtes Lernformat nach Patientenschädigungen im Spital, und ein neues nationales Pilotprogramm zum optimalen Einsatz der chirurgischen Checkliste: Dies sind die zwei jüngsten Arbeiten der Stiftung Patientensicherheit Schweiz, die sich seit 15 Jahren für nachhaltige Verbesserung der Patientensicherheit einsetzt.

 

«In der M&M habe ich als Chefarzt die Gelegenheit, meinen Mitarbeitenden mitzugeben, was mir wichtig ist. Ich kann sagen: 'Hier machen wir die Dinge so, hier hat das Priorität' und ich sehe den Mitarbeitenden manchmal die Erleichterung an.»

Mit Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen (M&M) für individuelles und organisationales Lernen in Akutspitälern werden medizinische Komplikationen, ungewöhnliche Verläufe und unerwartete Todesfälle von Patientinnen und Patienten aufgearbeitet. M&M helfen den Ärztinnen und Ärzten und interprofessionellen Teams in Gesundheitseinrichtungen, die Ursachen für Fehler in der Patientenversorgung zu identifizieren, sich zu sicherheitsrelevanten Aspekten auszutauschen und wirksame Massnahmen zur Erhöhung der Patientensicherheit zu entwickeln.

Der neue «Leitfaden Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen» von Patientensicherheit Schweiz richtet sich an Chefärzte, Leitende Ärztinnen, Riskmanager und weitere Kader im Spital. Er enthält Materialien für die Praxis, von der Checkliste zur Fallauswahl bis zum Evaluationsbogen. Die Stiftung hat den Leitfaden in Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten entwickelt und in ausgewählten Spitälern auf seine Praxistauglichkeit getestet und optimiert. Der rund 40-seitige Leitfaden erscheint in den Sprachen Deutsch, Französisch und Italienisch und wird unterstützt durch die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sowie den Dachverband chirurgisch und invasiv tätiger Fachgesellschaften und Berufsverbänden (FMCH).

Eine Umfrage bei über 300 Chefärztinnen und -ärzten verschiedener Disziplinen zum Status und Weiterentwicklungsbedarf der M&M hatte gezeigt: Bisher haben nur wenige internationale Empfehlungen für die Durchführung einer Morbiditäts- und Mortalitätskonferenz den Weg in die Schweizer Praxis gefunden. «Eine Morbiditäts- und Mortalitätskonferenz gemäss Leitfaden der Stiftung durchzuführen ist anspruchsvoll, aber machbar», sagt Prof. Dr. David Schwappach, wissenschaftlicher Leiter bei Patientensicherheit Schweiz. «Wird er konsequent angewendet, können Spitäler aus Zwischenfällen lernen, spitalinterne Strukturen und Prozesse verbessern und die Sicherheitskultur fördern.»

Nationales Pilotprogramm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie»
Das nationale Pilotprogramm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» richtet sich an Akutspitäler, in denen die chirurgische Checkliste bei Operationen Standard ist. Die chirurgische Checkliste hilft, bei einer Operation Fehler (errors) und unerwünschte Ereignisse (adverse events) zu reduzieren und fördert die Zusammenarbeit und Kommunikation im interprofessionellen Team.

Während Patientensicherheit Schweiz in ihrem ersten nationalen Pilotprogramm «progress! Sichere Chirurgie» (2013–2015) die Surgical Safety Checklist der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Schweiz adaptierte, will die Stiftung mit «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» einen handfesten Beitrag an die Best Practice der chirurgischen Checkliste leisten. Dazu sollen der Einsatz der chirurgischen Checkliste gemeinsam mit 20 Pilotspitälern in drei Sprachregionen im Rahmen des internen Qualitätsmanagements regelmässig geprüft und der Verlauf überwacht werden, wobei der Fokus auf den begleitenden sicherheitsrelevanten Team- und Kommunikationsprozessen liegt. Die Compliancemessung wird von einer interprofessionellen Gruppe erhoben. Sie führt Beobachtungen durch und schliesst sie mit einem unmittelbaren, lernfördernden Feedback ab.

David Schwappach sagt zum nationalen Pilotprogramm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie»: «Es geht darum, dass die Spitäler selber den Einsatz der Checkliste kontinuierlich optimieren und 'frisch halten'. Dies gelingt am besten durch Vor-Ort-Beobachten und kollegiales Feedback.»

Seit 2013 realisiert Patientensicherheit Schweiz mit Unterstützung des BAG Pilotprogramme für Patientensicherheit unter dem Titel «progress!» im Rahmen der Qualitätsstrategie des Bundes im Schweizerischen Gesundheitswesen. Gemeinsam mit ausgewählten Einrichtungen pilotieren die Expertinnen und Experten der Stiftung Instrumente zur Erhöhung der Patientensicherheit auf der Grundlage von wissenschaftlicher Evidenz. Drei Pilotprogramme zu folgenden Themen hat Patientensicherheit Schweiz bisher erfolgreich abgeschlossen: sichere Chirurgie, sichere Medikation an Schnittstellen sowie mehr Sicherheit bei Blasenkathetern. Neben «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie» fokussiert das zweite laufende nationale Pilotprogramm der Stiftung die sichere Medikation in Alters- und Pflegeheimen.

Informationen und Downloads:

Jahresbericht 2018: www.patientensicherheit.ch/jahresberichte

Leitfaden Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen: www.patientensicherheit.ch/mm
Kompakter Überblick auf Seite 11 des Jahresberichts
Nationales Pilotprogramm «progress! COM-Check – Sichere Chirurgie»:
www.patientensicherheit.ch/com-check
Kompakter Überblick auf Seite 5 des Jahresberichts