Doppelkontrolle – Anleitung für sichere Checks bei Hochrisiko-Medikation

Sicherheitschecks bei der Patientenversorgung gehören zum klinischen Alltag. Bei Hochrisiko-Arzneimitteln, etwa für Krebspatienten, kommt oft die so genannte Doppelkontrolle zur Anwendung. Aus Sicht der Patientensicherheit verlaufen die Doppelkontrollen im Medikationsprozess häufig nicht optimal, und es gibt keine nationalen Standards. Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz hat deshalb erstmals für Schweizer Spitäler eine Empfehlung mit praktischen Tipps zur Kontrolle von Hochrisiko-Medikation erarbeitet. Sie helfen Gesundheitsfachleuten, Checks im Medikationsprozess optimal zu planen und zu gestalten.

Medikationsfehler sind bekanntlich ein grosses Sicherheitsrisiko im klinischen Alltag. Checks im Prozess des Verordnens, Richtens und Verabreichens von Medikamenten werden deshalb häufig eingesetzt, um Fehler bei der Patientenversorgung zu vermeiden.

Verbreitet ist die so genannte Doppelkontrolle bei Hochrisiko-Medikamenten, zum Beispiel bei Krebspatienten. Allerdings gilt die Doppelkontrolle in Fachkreisen als schwache Sicherheitsmassnahme, so Dr. Yvonne Pfeiffer, wissenschaftliche Projektleiterin bei der Stiftung Patientensicherheit Schweiz: «Die Doppelkontrolle macht den Medikationsprozess häufig noch komplizierter. Sie kann das Fehlerrisiko sogar erhöhen, insbesondere, wenn Mitarbeitende für die Kontrolle ihre Tätigkeit unterbrechen müssen und umgekehrt.» Zudem werde die Doppelkontrolle in der Praxis sehr unterschiedlich gehandhabt und nationale Standards fehlten, sagt Pfeiffer.

Eine Empfehlung als Schriftenreihe

Patientensicherheit Schweiz hat mit finanzieller Unterstützung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) erstmals für die Spitäler in der Schweiz eine Empfehlung zur sicheren Doppelkontrolle und anderen Checks bei der Hochrisiko-Medikation entwickelt. Die Empfehlung unter dem Titel «(Doppel-)Kontrolle von Hochrisiko-Medikation: eine Empfehlung für Schweizer Spitäler» erscheint in Deutsch, Französisch und Italienisch als Schriftenreihe Nr.10 bei Patientensicherheit Schweiz.

Dabei hatte sich in einem vorgängig durchgeführten Forschungsprojekt zunächst gezeigt: Es gibt eine grosse Vielfalt an «Doppelkontrollen» und wenig Evidenz zu deren Wirksamkeit. Auch gebe es zahlreiche Risiken im Medikationsprozess, die durch die Doppelkontrolle nicht reduziert werden könnten, so Pfeiffer: «Doppelkontrollen werden in der Praxis häufig eingesetzt, um schlecht designte Medikationsprozesse abzusichern. Dafür sind sie ein schwaches Instrument. Richtig durchgeführt, können sie hingegen einen wesentlichen Beitrag zur verbesserten Patientensicherheit leisten.»

Eine klare Definition für die Doppelkontrolle

«Die Empfehlung beleuchtet die Thematik der Doppelkontrolle kritisch-konstruktiv», sagt Pfeiffer. Zuerst habe man den Begriff der Doppelkontrolle definieren müssen: «Es braucht eine verbindliche gemeinsame Sprache, damit die Fachleute klar untereinander kommunizieren können.» Patientensicherheit Schweiz empfiehlt folgende Definition: «Eine Doppelkontrolle ist ein zweifacher Abgleich von Information, die aus mindestens zwei Informationsquellen stammt. Bei einer Doppelkontrolle wird derselbe Abgleich mindestens zweimal durchgeführt. Er kann zweimal durch dieselbe Person oder durch zwei verschiedene Personen durchgeführt werden.»

Möglichst keine Unterbrechungen

Das Projektteam von Patientensicherheit Schweiz mit Yvonne Pfeiffer, Chantal Zimmermann und Prof. Dr. David Schwappach entwickelte unter anderem ein Basis-Set an Checks, darunter die Doppelkontrolle, und legte die optimalen Momente der Checks im Medikationsprozess fest. 9 praktische Tipps für die (Doppel-)Kontrolle von Hochrisiko-Medikation helfen, dass die Kontrollen wirksamer werden. Zum Beispiel: «Erstellen Sie eine Richtlinie mit einer klaren Beschreibung des konkreten Kontrollvorgehens und klaren Vorgaben zu den zu kontrollierenden Items für die jeweilige Kontrolle. Überprüfen Sie regelmässig, ob Anpassungen nötig sind.»

Über Patientensicherheit Schweiz

Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Patientensicherheit Schweiz engagiert sich als nationales Kompetenzzentrum für eine konsequente und konstruktive Sicherheitskultur im Schweizer Gesundheitswesen. Die Stiftung lanciert und steuert nationale Programme, Forschungsprojekte und Bildungsangebote mit dem Ziel, Sicherheitsrisiken zu reduzieren.

Informationen und Downloads: www.patientensicherheit.ch/doppelkontrolle