«Der Tod von Digital Health sind Lücken im System»

Das elektronische Patientendossier ist im Fokus der «Aktionswoche Patientensicherheit» vom 17. bis 23. September. Sie sensibilisiert für die Risiken und Chancen der Digitalisierung im Gesund-heitswesen zugunsten des besseren Schutzes von Patientinnen und Patienten. Rund 20 Spitäler be-teiligen sich an der Aktionswoche, einer Initiative der Stiftung Patientensicherheit Schweiz anläss-lich des International Patient Safety Day.

«Das elektronische Patientendossier ist aus Sicht der Patientensicherheit grundsätzlich eine grosse Chance», sagt David Schwappach, wissenschaftlicher Leiter bei der Stiftung Patientensicherheit Schweiz, zum Auftakt der «Aktionswoche Patientensicherheit» zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. Doch es berge Risiken, wenn es «unentschlossen und nicht flächendeckend angewandt wird», so Schwappach: «Es wäre wünschenswert, wenn sämtliche Leistungserbringer im schweizerischen Gesundheitssystem das elektronische Patientendossier einsetzen würden.»
Das elektronische Patientendossier werde über längere Zeit parallel zum bisherigen Papierdossier verlaufen. Das habe eine «grosse Unsicherheit zulasten der Patienten und ihrer Sicherheit zur Folge», so der Public-Health-Experte: «Ein digitales System ist ein grosser Gewinn, ein schlechtes digitales System mit Datenlücken ein grosses Risiko.»

«Aktionswoche Patientensicherhei vom 17. bis 23. September

Das elektronische Patientendossier, welche alle Schweizer Spitäler ab dem Jahr 2020 anbieten müssen, ist im Fokus der diesjährigen «Aktionswoche Patientensicherheit» vom 17. bis 23. September. Rund 20 Spitäler beteiligen sich an der Sensibilisierungskampagne für Mitarbeitende im Gesundheitswesen sowie für Patienten und ihre Angehörigen. Auf der Online-Plattform www.patientensicherheit.ch/aktionswoche stellen sie ihre digitalen Pilotprojekte vor.

Die teilnehmenden Spitäler sind:

  • Deutschschweiz: Kantonsspital Baden; Klinik Beau-Site, Klinik Permanence und Salem-Spital, Bern (Privatklinikgruppe Hirslanden); Inselspital, Bern (Insel Gruppe); Lindenhofspital, Bern (Lindenhofgruppe); Spital Burgdorf (Regionalspital Emmental); Kantonsspital Graubünden, Chur; Solothurner Spitäler; die öffentlichen Spitäler im Kanton St. Gallen; Spital Thun (Spital STS AG); Spital Zollikerberg; UniversitätsSpital Zürich
  • Romandie: Hôpitaux Universitaires de Genève (HUG)
  • Tessin: Associazione e-Health Ticino c/o Ufficio del medico cantonale, Bellinzona; Ospedale Malcantonese, Castelrotto; Cardiocentro Ticino, Lugano; Clinica Luganese Moncucco, Lugano

Die «Aktionswoche Patientensicherheit» ist eine Initiative von Patientensicherheit Schweiz. Sie findet diesen September zum dritten Mal statt anlässlich des International Patient Safety. Die Ausgabe 2018 wird unterstützt durch mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz sowie durch eHealth Suisse.

«Digitalisierung stellt altgediente Rollenverständnisse auf den Kopf»

Der rasante technologische Wandel im Gesundheitswesen sei das Phänomen einer viel umfassenderen Entwicklung, erklärt die Geschäftsführerin von Patientensicherheit Schweiz, Julia Boysen: «Viel wichtiger ist es zu verstehen, wie die Zusammenarbeit der Menschen in komplexen Organisationen neu bedacht und gestaltet werden kann, um einen Mehrwert für die Gesellschaft zu erzielen. (…) Die Art und Weise, wie künftig im Gesundheitswesen gearbeitet werde, stellt schon heute altgediente Formen der Zusammenarbeit und Rollenverständnisse auf den Kopf.»

«Mit jenen reden, die anschliessend damit arbeiten»

Übertragen auf das elektronische Patientendossier, sagt Schwappach: «Es braucht eine viel engere Zusammenarbeit zwischen den Fachleuten, von der Allgemeinpraktikerin über den Qualitätsmanager im Spital bis zum externen Software-Entwickler.» Oft seien die neuen Arbeitsprozesse- und instrumente noch zu wenig anwenderorientiert: «Man gibt zwar die Patientendaten in den Computer ein und handelt gemäss spitalinterner elektronischer Vorgaben. Aber die Mitarbeitenden stöhnen, weil die digitalen Systeme ihre Bedürfnisse nicht abdecken und die Arbeitsprozesse nicht widerspiegeln.» Die Lösung liege auf der Hand, so der wissenschaftliche Leiter von Patientensicherheit Schweiz: «Bei der Entwicklung einer elektronischen Arbeitshilfe muss man jene aufsuchen und mit jenen reden, die anschliessend damit arbeiten sollen.»

Online-Plattform «Aktionswoche Patientensicherheit»:
- Interview mit David Schwappach, Patientensicherheit Schweiz, zum elektronischen Patientendossier
- Statement von Julia Boysen, Patientensicherheit Schweiz, über den Kulturwandel in der Arbeitswelt
- Aktionen und Pilotprojekte Spitäler
www.patientensicherheit.ch/aktionswoche
- pdf Medienmitteilung

Kontakt Medienstelle:

Anna Wegelin, Leiterin Kommunikation, Tel. +41 43 244 14 87, wegelin@patientensicherheit.ch