Patientensicherheit als Public Health-Problem in Zahlen
In westlichen Ländern stirbt mindestens jeder tausendste Spitalpatient an einem Fehler. Schätzungen aufgrund aktueller Studien aus vergleichbaren Gesundheitssystemen zeigen, dass wir in der Schweiz mit mindes-tens 700 – 1'700 fehlerbedingten Todesfällen pro Jahr in Schweizer Spitälern rechnen müssen, je nachdem, ob man die Zahl populationsbezogen umrechnet oder die unterschiedlichen Hospitalisationsraten berücksichtigt. Im Vergleich mit anderen Todesursachen machen fehlerbedingte Todesfälle bei Spitalpatienten wahrscheinlich mehr als das Doppelte der Todesfälle durch Grippe, AIDS und Verkehrsunfälle zusammen aus.
Öffentliche Sicherheit – ein weiterer Vergleich: Die Schätzung der fehlerbedingten Todesfälle entspricht dem Absturz von jährlich 2 bis 4 Grossraumflugzeugen über Schweizer Boden. 2 bis 4 solche Abstürze, sich jährlich wiederholend, hätten Folgen in Politik, Öffentlichkeit und der betroffenen Industrie. Diese Abstürze finden im Ge-sundheitswesen statt. Der Unterschied ist: Die toten Passagiere (=fehlerbedingt sterbende Patienten) tropfen täglich in kleinen Mengen aus den Flugzeugen (=Gesundheitsorganisationen). Es ist ein diskretes Phänomen - meist nicht direkt erkennbar - mit entsprechend geringer Medienwirksamkeit und politischer Wirkung.
Fehlerbedingte Todesfälle in Spitälern sind nur die Spitze des Eisbergs. Verlässliche Studien zeigen, dass bei 2- 8% aller Hospitalisationen vermeidbare Zwischenfälle (=Fehler) stattfinden. Davon führt ein erheblicher Teil zu vorübergehender (30-50%) oder permanenter (9%) Schädigung oder Tod (3%). Neben den Schäden an Patienten sind damit verlängerte Spitalaufenthalte (im Schnitt 6 zusätzliche Spitaltage) und erhöhte Behandlungsaufwendungen bei 2/3 der betroffenen Patienten verbunden.
In einer eigenen Studie befragten wir hospitalisierte Patienten nach den Häufigkeiten von relevanten Behandlungsfehlern. 3’983 Patienten aus 8 Schweizer Spitälern beantworteten den Fragebogen (Rücklaufrate 55%). 21.4% der Patienten gaben an, während der Hospitalisation mindestens ein eindeutiges relevantes Patientensicherheitsereignis erlebt zu haben. 3.2% waren über medizinische Fehler und ihre Patientensicherheit sehr be-sorgt und 14.7% waren darüber einigermassen besorgt .
Damit sind hohe Kosten verbunden: Swissnoso, die Vereinigung der führenden Schweizer Spitalinfektiologen, geht davon aus, dass in der Schweiz 7 % aller Spitalpatienten eine Spitalinfektion erleiden und dass jährlich 70'000 Spitalinfektionen in der Schweiz Kosten von rund 250 Mio. CHF, 300'000 Spitaltage und 2'000 Todesfälle verursachen. Mindestens 1/3 davon wird als vermeidbar eingestuft. In Schweizer Spitälern ermittelte Kosten je Spitalinfektion bewegen sich – je nach Infektionstyp - zwischen CHF 4'500 bis CHF 19'638 pro Infektion . Gewisse sehr gravierende Spitalinfektionen (z.B. IPS-pflichtige Pneumonien und Septikämien) kosten sogar ein Mehrfaches dieser Beträge. In einer Schweizer Studie wurden die Kosten von ungerechtfertigten fehlerhaften Medikationen bei Spitalentlassung ermittelt. Rund 17% aller Verschreibungen bei Entlassung waren ungerechtfertigt. Die damit verbundenen vermeidbaren Kosten betrugen CHF 50 pro betroffenem Patient und Monat. Auch die Kosten von Medikationsfehlern gehen in die Hunderten von Millionen Franken. Dies sind Beispielthemen. Ähnliche Kostendimensionen werden durch gravierende Verwechslungen, Fehldiagnosen, Fehler an Schnittstellen, etc. verursacht. Insgesamt ist mit fehlerbedingten Kosten von vielen hundert Millionen Franken zu rechnen.
Diese Daten beinhalten nur den akut-stationären Bereich. Hinzu kommen der ambulante Sektor und der Rehabilitations- Psychiatrie- und Langzeitbereich, zu denen bisher kaum Forschungsdaten vorliegen, in denen aber mit ähnlichen Problemdimensionen zu rechnen ist.
Eine effiziente Förderung der Patientensicherheit ist kosteneffektiv und erspart unnötiges Leid. Dies wurde z.B. in einem Schweizer Spital für die Prävention von Spitalinfektionen ermittelt: Mit Interventionen, die wenige Hunderttausend Franken kosteten, konnten die Infektionen um 1/3 reduziert, schätzungsweise 25 bis 50 jährliche Todesfälle vermieden und Kosteneinsparungen von jährlich rund 2.25 Mio. Franken erzielt werden. Ähnliche Potentiale für die Kosteneffektivität können bei vielen Themen der Patientensicherheit postuliert werden (Medikationsfehler , Chirurgiefehler, Diagnosefehler, Verwechslungen, etc.).
Patientensicherheit - wo steht die Schweiz?
Es gibt somit genügend Indizien dafür, dass auch das Schweizer Gesundheitssystem Patientensicherheitspotentiale hat. Erfahren Sie mehr darüber in unserer Publikation Patientensicherheit Schweiz – avanti (Kapitel 2 «Patientensicherheit – wo steht die Schweiz?»)
Öffentliche Sicherheit – ein weiterer Vergleich: Die Schätzung der fehlerbedingten Todesfälle entspricht dem Absturz von jährlich 2 bis 4 Grossraumflugzeugen über Schweizer Boden. 2 bis 4 solche Abstürze, sich jährlich wiederholend, hätten Folgen in Politik, Öffentlichkeit und der betroffenen Industrie. Diese Abstürze finden im Ge-sundheitswesen statt. Der Unterschied ist: Die toten Passagiere (=fehlerbedingt sterbende Patienten) tropfen täglich in kleinen Mengen aus den Flugzeugen (=Gesundheitsorganisationen). Es ist ein diskretes Phänomen - meist nicht direkt erkennbar - mit entsprechend geringer Medienwirksamkeit und politischer Wirkung.
Fehlerbedingte Todesfälle in Spitälern sind nur die Spitze des Eisbergs. Verlässliche Studien zeigen, dass bei 2- 8% aller Hospitalisationen vermeidbare Zwischenfälle (=Fehler) stattfinden. Davon führt ein erheblicher Teil zu vorübergehender (30-50%) oder permanenter (9%) Schädigung oder Tod (3%). Neben den Schäden an Patienten sind damit verlängerte Spitalaufenthalte (im Schnitt 6 zusätzliche Spitaltage) und erhöhte Behandlungsaufwendungen bei 2/3 der betroffenen Patienten verbunden.
In einer eigenen Studie befragten wir hospitalisierte Patienten nach den Häufigkeiten von relevanten Behandlungsfehlern. 3’983 Patienten aus 8 Schweizer Spitälern beantworteten den Fragebogen (Rücklaufrate 55%). 21.4% der Patienten gaben an, während der Hospitalisation mindestens ein eindeutiges relevantes Patientensicherheitsereignis erlebt zu haben. 3.2% waren über medizinische Fehler und ihre Patientensicherheit sehr be-sorgt und 14.7% waren darüber einigermassen besorgt .
Damit sind hohe Kosten verbunden: Swissnoso, die Vereinigung der führenden Schweizer Spitalinfektiologen, geht davon aus, dass in der Schweiz 7 % aller Spitalpatienten eine Spitalinfektion erleiden und dass jährlich 70'000 Spitalinfektionen in der Schweiz Kosten von rund 250 Mio. CHF, 300'000 Spitaltage und 2'000 Todesfälle verursachen. Mindestens 1/3 davon wird als vermeidbar eingestuft. In Schweizer Spitälern ermittelte Kosten je Spitalinfektion bewegen sich – je nach Infektionstyp - zwischen CHF 4'500 bis CHF 19'638 pro Infektion . Gewisse sehr gravierende Spitalinfektionen (z.B. IPS-pflichtige Pneumonien und Septikämien) kosten sogar ein Mehrfaches dieser Beträge. In einer Schweizer Studie wurden die Kosten von ungerechtfertigten fehlerhaften Medikationen bei Spitalentlassung ermittelt. Rund 17% aller Verschreibungen bei Entlassung waren ungerechtfertigt. Die damit verbundenen vermeidbaren Kosten betrugen CHF 50 pro betroffenem Patient und Monat. Auch die Kosten von Medikationsfehlern gehen in die Hunderten von Millionen Franken. Dies sind Beispielthemen. Ähnliche Kostendimensionen werden durch gravierende Verwechslungen, Fehldiagnosen, Fehler an Schnittstellen, etc. verursacht. Insgesamt ist mit fehlerbedingten Kosten von vielen hundert Millionen Franken zu rechnen.
Diese Daten beinhalten nur den akut-stationären Bereich. Hinzu kommen der ambulante Sektor und der Rehabilitations- Psychiatrie- und Langzeitbereich, zu denen bisher kaum Forschungsdaten vorliegen, in denen aber mit ähnlichen Problemdimensionen zu rechnen ist.
Eine effiziente Förderung der Patientensicherheit ist kosteneffektiv und erspart unnötiges Leid. Dies wurde z.B. in einem Schweizer Spital für die Prävention von Spitalinfektionen ermittelt: Mit Interventionen, die wenige Hunderttausend Franken kosteten, konnten die Infektionen um 1/3 reduziert, schätzungsweise 25 bis 50 jährliche Todesfälle vermieden und Kosteneinsparungen von jährlich rund 2.25 Mio. Franken erzielt werden. Ähnliche Potentiale für die Kosteneffektivität können bei vielen Themen der Patientensicherheit postuliert werden (Medikationsfehler , Chirurgiefehler, Diagnosefehler, Verwechslungen, etc.).
Patientensicherheit - wo steht die Schweiz?
Es gibt somit genügend Indizien dafür, dass auch das Schweizer Gesundheitssystem Patientensicherheitspotentiale hat. Erfahren Sie mehr darüber in unserer Publikation Patientensicherheit Schweiz – avanti (Kapitel 2 «Patientensicherheit – wo steht die Schweiz?»)















