Pilotprogramme Patientensicherheit Schweiz

progress! Sichere Medikation in Pflegeheimen

Patientensicherheit Schweiz nimmt mit dem vierten nationalen Pilotprogramm die Medikationssicherheit in Alters- und Pflegeinstitutionen in den Fokus. Zentrales Thema des Pilotprogramms ist die Reduktion von Polypharmazie sowie der sicherere Umgang mit potentiell inadäquaten Medikamenten bei älteren Menschen. Dabei spielen die folgenden Schritte im Medikationsprozess eine wesentliche Rolle:
  • Verordnen der Medikamente (Verordnungsqualität)
  • Monitoring der Symptomatik, der Nebenwirkungen und der Laborwerte sowie ggf. Reaktion darauf (z.B. Absetzen)
  • Review der aktuellen Medikamentenliste

Zielgruppe des Programms sind Fachpersonen, die in den Pflegeheimen arbeiten bzw. Bewohnende betreuen: Pflege- und Betreuungspersonal, Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker, Heimleitungen und Verantwortliche für das Qualitäts- und Risikomanagement. Eine Grundprämisse des Programms ist es, dass die Betroffenen selber in den Medikationsprozess aktiv einbezogen werden. Sie bilden deshalb eine weitere wichtige Zielgruppe.

Facts and Figures

  • In der Schweiz wohnen über ein Jahr hinweg etwa 150‘000 Menschen in einer der rund 1‘500 Alters- oder Pflegeinstitutionen (1).
  • Rund drei Viertel der in Alters- und Pflegeinstitutionen lebenden Personen in der Schweiz nehmen regelmässig Medikamente ein; im Durchschnitt sind es pro Tag sieben Medikamente oder andere Heilmittel (2).
  • Bis zu einem Fünftel der Zuhause lebenden älteren Personen in der Schweiz erhalten ein potentiell inadäquates Medikament (3). In Alters- und Pflegeinstitutionen ist das Risiko, ein potentiell inadäquates Medikament zu erhalten noch höher. Gepoolte Daten für Europa zeigen, dass bis zu 50% der Bewohnerinnen und Bewohner potentiell inadäquate Medikamente erhalten (4).
  • Mit steigender Anzahl der Medikamente steigt die Wahrscheinlichkeit der Verordnung von potentiell inadäquaten Medikamenten. Polypharmazie geht zudem mit einem erhöhten Risiko für unerwünschte Arzneimittelereignisse und Spitaleinweisungen einher (4-6).
Weiterführende Informationen: Das im Rahmen der Vorarbeiten zum Programm erarbeitete Übersichtsdokument beinhaltet Informationen zur Problematik und beschreibt bestehende Lösungsansätze.

Begriffsdefinition

  • Polypharmazie bedeutet, dass gleichzeitig mehrere Medikamente dem gleichen Bewohner/Patienten verordnet und von ihm eingenommen werden. Im höheren Alter und dem damit einhergehenden wachsenden Polymorbiditätsrisiko, nimmt die Polypharmazie häufig zu. Polypharmazie kann insbesondere zu Nebenwirkungen einzelner Medikamente und zu Interaktionen der verschiedenen Medikamente führen.
  • Potentiell inadäquate Medikamente bei älteren Menschen: Bei älteren Patienten besteht bei gewissen Arzneimitteln ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Arzneimittelereignisse. Der Grund kann die pharmakologische Wirkung des Arzneimittels und/oder der Nebenwirkung sein. Symptome der Arzneimittelwirkung können verschiedener Art sein, so z.B. kognitive Störungen, Übelkeit oder Schwindel. Hinzu kommt, dass die Symptome der Nebenwirkung zum Teil kaum von Krankheitssymptomen bestehender oder neuer Krankheiten zu unterscheiden sind. Bei den potentiell inadäquaten Arzneimitteln können die unerwünschten Arzneimittelwirkungen den klinischen Nutzen übersteigen, sodass einzelne Medikamente ganz weggelassen oder durch andere Medikamente bzw. eine andere Dosierung ersetzt werden müssen.

Referenzen

(1) Bundesamt für Statistik. Statistik der sozialmedizinischen Institutionen 2015 - Provisorische Standardtabellen. Neuchâtel: Bundesamt für Statistik; 2016.
(2) Bundesamt für Statistik. Gesundheit von Betagten in Alters- und Pflegeheimen. Erhebung zum Gesundheitszustand von betagten Personen in Institutionen (2008/09). Neuchâtel: Bundesamt für Statistik; 2012.
(3) Blozik E, Rapold RF, von Overbeck JF, Reich O. Polypharmacy and potentially inappropriate medication in the adult, community-dwelling population in Switzerland. Drugs Aging 2013;30(7):561-8.
(4) Morin L, Laroche M-L, Texier G, Johnell K. Prevalence of Potentially Inappropriate Medication Use in Older Adults Living in Nursing Homes: A Systematic Review. J Am Med Dir Assoc 2016;17(9):862-9.
(5) Gurwitz JH, Field TS, Judge J, Rochon P, Harrold LR, Cadoret C, et al. The incidence of adverse drug events in two large academic long-term care facilities. The American Journal of Medicine 2005 Mar;118(3):251-8.
(6) Leendertse AJ, Egberts ACG, Stoker LJ, van den Bemt PMLA, for the HARM Study Group. Frequency of and Risk Factors for Preventable Medication-Related Hospital Admissions in the Netherlands. Arch Intern Med 2008 Sep 22;168(17):1890-6.
 


Aktionswoche
Patientensicherheit
2017




 
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Co-Programmleiterin
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Dr. med. Liat Fishman
Co-Programmleiterin
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